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Wenn alles zu viel wird. Was tun, um nicht aufzugeben?

Wenn alles zu viel wird: Was hilft, weiterzumachen?

Manchmal gibt es Phasen in unserem Leben, in denen alles zu viel wird.

Momente, in denen wir kaum noch Kraft haben und in denen unsere eigenen Gedanken immer dunkler werden.

Es sind Augenblicke, in denen wir nicht wissen, wie wir eigentlich weitermachen sollen.

So geht es auch Miri.

Und in der Rubrik Nachgefragt widme ich mich ihrer Frage – und damit einer Schwere, die viel zu viele von uns kennen.

Leserfrage:

In letzter Zeit habe ich immer häufiger das Gefühl, aufgeben zu wollen. Alles in meinem Leben fühlt sich dunkel und schwer an. Ich hasse mich dafür, wer ich geworden bin und wie ich aussehe. Mein Körper ist nicht so, wie ich das will, und mein Leben eine einzige, nicht endenwollende Katastrophe, für die ich mich schäme.


Ich versuche positiv zu denken, aber gerade bin ich so tief unten, dass ich irgendwie nicht an Selbstliebe glauben kann oder daran, dass das je besser werden wird. Irgendwie will ich nicht mal, dass es besser wird. Viel lieber möchte ich einfach nur aufhören zu kämpfen. Ich bin das alles so müde.


Was macht man, wenn alles zu viel wird? Wie finde ich einen Punkt, an dem ich weitermachen kann und will?

Miri

Meine Antwort:

Ich kenne dieses Gefühl sehr gut.

Diese Schwere, die auf der Brust sitzt, und diese düsteren Gedanken, die die Tage noch viel dunkler und schwerer machen als ohnehin schon.

Ständig schämt man sich für diese Dunkelheit in seinem Innern. Für seine Schwäche, weil man nicht positiv in die Zukunft schauen und weitermachen kann.

Man schämt sich, weil der Gedanke, aufzugeben, so viel verlockender klingt als weiterzumachen.

Aber das ist überhaupt nichts, wofür du – oder irgendwer sonst – sich schämen muss.

Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche, so zu empfinden oder so zu denken.

Es zeigt bloß, wie unglaublich erschöpft du sein musst.

Wie viel du gerade trägst.

Und  auch, wie lange du das bereits tust.

Irgendwann nämlich streikt unser Körper, genauso wie unsere Seele.

Wir können nicht endlos viel auf unseren Schultern tragen oder aushalten, ohne dass wir unter dieser Last zusammenbrechen. Wir sind schließlich keine Maschinen.

Dieses tiefe Gefühl von Nicht-mehr-wollen kommt deshalb auch aus einem Zustand von Überforderung und tiefer Erschöpfung.

In diesem Zustand fühlt man sich leer, hoffnungslos und kraftlos.

Man ist abgekoppelt von sich selbst und der Welt und alles fühlt sich einfach nur dunkel und schwer an.

Aber das bedeutet eben nicht, dass wir tatsächlich aufgeben wollen. Es zeigt nur, dass wir schlicht nicht mehr können oder der Zustand, in dem wir uns befinden, nicht mehr auszuhalten ist.

Wir wollen dann nicht, dass alles endet, sondern dass bestimmte Dinge anders sind.

Das ist ein wichtiger Unterschied, den wir uns in diesen schwierigen Augenblicken bewusst machen können und der schon ein kleines bisschen Druck von unseren Schultern nehmen kann.

1. Was man tun kann, wenn alles zu viel wird – und was man nicht tun sollte

Wenn wir uns so fühlen, geht es nicht darum, uns zu motivieren, anzutreiben oder die Liebe zu uns selbst zu erzwingen.

Und auch nicht darum, dass wir uns für unsere Gedanken in irgendeiner Weise verurteilen, uns unsere Gefühle verbieten oder auf Teufel komm raus funktionieren.

Im Gegenteil.

Es geht darum, innerlich einen Schritt zurückzutreten und irgendwie den Druck rauszunehmen.

Darum, uns nicht weiter wegzustoßen, sondern uns uns selbst anzunähern.

Es geht um mini-kleine Schritte.

Darum, Dinge zu tun, die etwas Kraft schenken.

Dinge, die deinem Körper und deiner Seele helfen, sich selbst zu regulieren.

Dinge, die dir guttun.

Dinge, die machbar sind.

Deshalb frag dich nicht »wie du schnell wieder hochkommst«, auch wenn das verlockend ist und die allermeisten von uns das wollen.

Frag dich lieber: »Was wäre der kleinste nächste Schritt, den ich tun kann (und der mich gerade nicht überfordert)?«

Das kann sein:

  • Aufstehen und dir etwas Warmes zu trinken machen.
  • Dir ein weiches Kleidungsstück anziehen, in dem du dich wohlfühlst.
  • Ein paar tiefe, bewusste Atemzüge nehmen.
  • Einen Termin verschieben, den Abwasch Abwasch sein lassen oder sich erlauben, im Bett liegen zu bleiben.
  • Einen kleinen Spaziergang machen oder einfach nur das Fenster öffnen und ein paar Minuten die Wolken oder Sterne zu betrachten.
  • Musik hören, die du magst,  einen Film oder eine Serie ansehen oder ein Buch lesen, das dir Freude bereitet.
  • Eine Hand auf deinen Brustkorb legen und ein paar tiefe, hörbare Seufzer ausstoßen, um dich mit deinem Körper zu verbinden.

Denn: Es geht nicht darum, das Gefühl von jetzt auf gleich verschwinden zu lassen. Das wird es so oder so nicht (egal wie sehr wir uns das wünschen), weil es ja auch nicht ohne Grund da ist.


Aber: Du kannst dir durch mini-kleine Schritte helfen, den Boden unter den Füßen wieder besser zu spüren. Nicht indem du dich und deine Gefühle bekämpfst, sondern indem du  dir erlaubst, zu fühlen, was auch immer du gerade fühlst, und trotzdem zu tun, was geht.


Deshalb schau, was  machbar und realistisch ist.

Such dir die Unterstützung, die du brauchst oder bekommen kannst.

Schreib, wenn es dir guttut.

Und mach dir bewusst, was gerade in dir passiert und warum.


Mehr braucht es an diesem Tiefpunkt nicht.


Übrigens:

Du musst dich gar nicht selbst lieben oder dein Leben mit all seinen Baustellen feiern. Kein Mensch könnte das in diesem Zustand. Und auch sonst ist das wahnsinnig schwer.

Aber was du kannst, ist: Dich behandeln, als wärst du liebenswert, unabhängig davon, ob sich das gerade so anfühlt oder nicht.

Manchmal hilft es so zu tun, als wäre man selbst ein guter Freund, dem man durch eine schwere Zeit hindurchhilft. 

Ein Freund, den man an die Hand nimmt oder an dessen Seite man sitzt, so lange, wie er oder sie es braucht.

2. Noch etwas

Erinner dich daran, dass nichts bleibt, wie es ist. Nicht einmal dieses Dunkle, in dem du gerade steckst.

Alles verändert sich. Das tut es immer.

Das Leben ist ein Auf und Ab.

Und aus meiner eigenen Geschichte und durch meinen eigenen Weg kann ich dir sagen:

Es werden wieder Momente kommen, in denen sich das Atmen ein kleines bisschen leichter anfühlt.

Momente, in denen du wieder spüren kannst, dass Veränderung und Selbstliebe möglich sind.

Und in denen du wieder Kraft hast.

Aber jetzt geht es erstmal darum, durch die nächste Zeit zu kommen.

Dich von Moment zu Moment zu hangeln und zu tun, was geht.

Mehr nicht.

3. Drei Journal-Fragen, die du ausprobieren kannst

Zum Schluss habe ich noch drei Journal-Fragen, die dabei helfen können, besser durch schwere Momente zu kommen, wie du sie gerade erlebst. Ich habe sie in der Vergangenheit bereits oft genutzt.

Also falls du magst, hier sind sie:

  • Was würde ich einem Menschen sagen, den ich liebe, wenn er das fühlen würde, was ich gerade fühle? Sprich zu diesem Menschen, der gerade zu kämpfen hat. Manchmal hilft es, tatsächlich an diesen jemand zu schreiben und dann die Namen gegen den eigenen auszutauschen.
  • Welcher Teil in mir fühlt sich gerade erschöpft? Und was möchte dieser Teil mir sagen? Schreibe einen Dialog mit diesem (Körper)Teil oder lass ihn in einem Brief an dich sprechen. Denn manchmal hilft es, wenn wir den Teil von uns zu Wort kommen lassen, der gerade am meisten zu kämpfen hat. Es hilft dabei, etwas Entlastung zu finden, aber eben auch: zu verstehen, was genau eigentlich los ist.
  • Wenn dieser Moment nur ein Moment ist: Was brauche ich, um die nächste Stunde zu überstehen? Überleg dir, ob es etwas gibt, was du gerade brauchst, oder ob da etwas ist, was du loslassen kannst oder bewusst nicht tun kannst. (Abwasch liegen lassen, sich erlauben zu schlafen, oder oder oder ...)

Deine Anina

Du hast ebenfalls eine Frage, von der dir die wünschst, dass ich sie beantworte?

Schick sie mir gern über dieses Formular oder schreib eine Mail an kontakt@seelenschreiberei.org.

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