5 Fehler, die du vermeiden solltest, um dein Journal als echten Raum für Heilung und Klarheit zu nutzen.

Warum auch du schreiben kannst – und darfst
Ganz sicher kennst du sie auch: Diese leise, nagende Stimme im Kopf, die immer dann auftaucht, sobald du auch nur daran denkst, zu schreiben.
Sie flüstert uns ins Ohr, manchmal gehässig, manchmal liebevoll, fast so, als wolle sie uns beschützen:
Wer bitte bin ich schon, dass ich etwas schreiben darf?
Wird das, was ich schreibe, überhaupt jemanden interessieren?
Was, wenn ich mich damit blamiere?
Was, wenn es nicht gut genug ist?
Vielleicht spürst du wie ich jede Menge Scham, wenn es darum geht, deine eigenen Worte aufs Papier zu bringen.
Oder bist überzeugt, dass es albern, banal oder zu viel sein könnte.
Es gibt viele Dinge, die Menschen davon abhalten, mit dem Schreiben zu starten.
Oder dafür sorgen, dass sie schnell wieder damit aufhören.
Mit diesem Artikel möchte ich dir deshalb Mut machen. Ich möchte dir erklären, warum auch du schreiben kannst und darfst. Warum deine Geschichte wichtig ist.
Und warum es beim Schreiben nicht um Talent oder Perfektion geht, sondern um etwas ganz anderes.
Kreatives Schreiben: Warum auch du schreiben kannst – und darfst
1. Schreiben hat nichts mit Talent zu tun – es ist Ausdruck
Oft glauben wir, Schreiben wäre etwas Elitäres.
Etwas, das nur den Begabten vorbehalten ist oder vorbehalten sein sollte.
Und wenn man in manchen Autoren-Gruppen bei Facebook unterwegs ist oder den falschen Social-Media-Kanälen in Threads, Instagram und Co. folgt, wird einem genau das leider auch schnell vermittelt.
Doch weißt du was? Schreiben ist nichts Elitäres.
In seiner Essenz ist es nichts anderes als Gedanken, Gefühle und Erlebnisse in Worte zu kleiden.
Jeder Mensch kann das.
Klar: Manche haben mehr Übung darin als andere. Und manche finden leichter einen Zugang zu ihren inneren Wortwelten, während andere sich dazu überwinden müssen.
Aber Fakt ist: Schreiben ist nichts, das nur ein paar wenigen Auserwählten durch Talent vorbehalten ist.
Außerdem hast du bereits geschrieben. Ganz sicher tust du es sogar jeden Tag.
Denn wir alle schreiben.
Wir schreiben Nachrichten bei WhatsApp und Listen für den nächsten Einkauf.
Wir tippen Gedanken ins Handy, verfassen E-Mails, schreiben Tagebuch, füllen Kalender oder diskutieren mit Menschen stundenlang unter Social Media Postings.
Schreiben ist etwas Alltägliches.
So alltäglich, dass wir ziemlich schnell übersehen, dass es bereits einen Großteil unseres Lebens ausmacht und uns deshalb vertraut ist.
Der einzige Unterschied zwischen diesem alltäglichen Schreiben und dem Journaling oder kreativen Schreiben liegt darin, dass du dich dabei trauen musst, tiefer zu gehen und mehr von dir selbst preiszugeben.
Das ist alles.
2. Angst ist unser wahrer Gegner
Wenn Menschen nicht schreiben, dann fast nie, weil sie es nicht können.
Sie tun es nicht, weil sie Angst haben.
Angst davor, dass niemand sie je lesen wird oder aber dass es jemand tut und es peinlich wird.
Angst, dass das, was man zu Papier bringt, nicht gut genug ist oder jemals sein kann.
Angst, sich und das eigene Innenleben zu zeigen. Angst davor, dadurch verletzlich zu sein.
Aber weißt du was?
All diese Ängste sind menschlich.
Jeder Einzelne, der schreibt, kennt sie – auch ich.
Denn selbst nach sechs veröffentlichten Romanen kämpfe ich noch regelmäßig mit ihnen. Und auch andere, weitaus bekanntere Autoren, sprechen immer und immer wieder davon.
Stephen King und Elizabeth Gilbert sind nur zwei von unzähligen Autoren, die offen darüber sprechen, wie lähmend Selbstzweifel sein können.
Es ist normal, dass dich ein mulmiges Gefühl begleitet, sobald du dein Innerstes auf Papier bringst.
Es ist natürlich, dass du dich dabei verletzlich fühlst.
Die Frage ist deshalb auch nicht: Wie werde ich angstfrei, um endlich schreiben zu können?
Sondern: Bin ich trotz meiner Angst bereit zu schreiben?
Diese Frage macht den Unterschied.
Zwischen dem Traum zu schreiben und dem Mut, es tatsächlich zu tun.
3. Deine Stimme und das, was du schreibst sind einzigartig
Kein anderer Mensch auf dieser Welt hat dieselben Dinge erlebt wie du.
Niemand hat exakt die gleichen Erinnerungen oder sieht die Welt durch deine Augen.
Keiner fühlt so wie du fühlst. Nicht in genau dieser Kombination, wie du es tust.
Und genau deshalb ist das, was du schreibst und die Art, wie du es schreibst, einzigartig – so einzigartig wie dein Fingerabdruck.
Unsere Schreibstimme ist wie ein innerer Klang. Wie etwas, dass mit jedem geschriebenen Satz klarer wird.
Manchmal denken wir: »Das, was ich zu sagen habe, ist doch schon hundertmal aufgeschrieben worden!«, doch es spielt keine Rolle, wie oft etwas bereits aufgegriffen wurde.
Warum?
Weil niemand es auf dieselbe Weise sagen kann wie du.
Niemand hat deine inneren Bilder, deine Metaphern oder deine Erfahrungen.
Und genau das macht deine Worte wertvoll und besonders.
Absolut jedes Buch, das ich lese; jeder Autor, dem ich folge, hat seine ganz eigene, ganz individuelle Schreibstimme.
Jeder von ihnen schreibt auf seine eigene persönliche Weise. Und kleidet damit die Welt der Worte in seine eigenen Farben.
Also warum nicht auch du?
4. Schreiben ist Nahrung – für dich und für andere
Menschen lieben Geschichten, und zwar schon immer.
Nicht ohne Grund saßen wir an Feuer und erzählten uns Geschichten – und das lange bevor es Bücher und den Buchdruck überhaupt gab.
Geschichten geben uns Sinn.
Sie schenken uns Orientierung und Verbindung.
Ohne sie wären wir heillos verloren.
Unsere eigenen Geschichten nähren deshalb auch nicht nur andere, sie nähren auch uns.
Denn wenn wir schreiben, verstehen wir uns selbst besser.
Wir finden Worte für Dinge, die sonst in unserem Inneren bleiben.
Durch sie schenken wir uns selbst Gehör.
Und gleichzeitig kann das, was wir schreiben, eine Verbindung zu anderen schaffen.
Denn Geschichten öffnen Räume.
Zu uns selbst und zu anderen.
5. Beim Schreiben geht es nicht um Perfektion
Eines der größten Gifte beim Schreiben ist der Perfektionismus.
Denn der Gedanke »Mein Text muss perfekt sein« lähmt. Er blockiert uns.
Und erstickt damit jede Form von Kreativität im Keim.
Dabei ist Perfektion nichts weiter als eine Illusion.
Nichts ist wirklich perfekt und gleichzeitig hält uns dieser Gedanke davon ab, überhaupt anzufangen.
Ernest Hemingway sagte einst:
The first draft of anything is shit. / Der erste Entwurf von allem ist scheiße.
Ernest Hemingway
Und Anne Lamott:
Almost all good writing begins with terrible first efforts. You need to start somewhere. / Fast jedes gute Schreiben beginnt mit schrecklichen ersten Versuchen. Du musst eben irgendwo anfangen.
Anne Lamott
Und Jodi Picoult bringt es ebenfalls gut auf den Punkt:
You can´t edit a blank page. / Ein leeres Blatt lässt sich nicht überarbeiten.
Jodi Picoult
Denn Überarbeiten beim Schreiben ist kein Zeichen dafür, dass du gescheitert bist oder nicht schreiben kannst.
Im Gegenteil.
Es ist ein ganz normaler, oft unterschätzter Teil des kreativen Prozesses.
Es ist der Moment, in dem aus einem Rohdiamanten Stück für Stück ein funkelnder Stein wird.
Oder wie Neil Gaiman es so passend ausdrückt:
The process of doing your second draft is the process of making it look like you knew what you were doing all along. / Die zweite Fassung sieht dann so aus, als hättest du die ganze Zeit genau gewusst, was du tust.
Neil Gaiman
Die Wahrheit ist also: Schreiben darf roh, bruchstückhaft und unfertig sein.
Es darf voller Tippfehler sein und sich holprig anfühlen.
Ja, das muss es sogar.
Denn wichtiger als Perfektion ist Authentizität.
Echtheit ist es nämlich, was berührt.
Perfektion nicht.
6. Du hast das Recht zu schreiben
Manchmal denken wir, dass wir kein Recht dazu hätten, uns zu Wort zu melden.
Beispielsweise, weil wir nicht studiert haben, keinen Abschluss in Germanistik oder Psychologie haben oder auch sonst nicht als eine Art Experte gelten.
Aber du bist ein Mensch – und alleine das gibt dir jedes Recht zu erzählen, was auch immer zu erzählen willst.
Zum Schreiben braucht es nämlich keine Erlaubnis von außen.
Wir brauchen keine Institution, die uns ein Siegel verleiht oder jemanden, der uns bestätigt, dass das, was wir zu erzählen haben, wertvoll ist.
Alles, was beim Schreiben zählt und alles, was dabei wichtig ist, sind deine Erfahrungen, deine Gefühle und dein Leben.
Weil Schreiben kein Luxus ist. Und keineswegs nur etwas für die Elite.
Weil Schreiben Spaß machen darf und niemanden überzeugen muss.
Weil Schreiben eine Form von Selbstermächtigung ist.
Ein Weg, deine persönliche Perspektive sichtbar zu machen.
Es ist ein Menschenrecht.
Und es ist ein Geschenk.
An dich selbst.
Und wenn du das möchtest, eben auch an die gesamte, verdammte Welt.
Trau dich zu schreiben: Es lohnt sich
Die Wahrheit ist: Du darfst schreiben.
Nicht, weil du ein Genie bist oder sein musst, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil du ein Mensch bist.
Weil du Gefühle hast, die ausgedrückt werden wollen.
Weil du eine Geschichte in dir trägst, die erzählt werden will.
Oder einfach nur deshalb, weil du Freude an dem Spiel mit Worten hast.
Und wenn du dich traust einen Stift in die Hand zu nehmen und zu schreiben – trotz Angst, trotz Unsicherheit – dann wird sich etwas in dir verändern.
Nicht sofort, nicht von jetzt auf gleich, doch nach und nach.
Denn indem du deiner inneren Stimme Raum schenkst, fängst du auch an, dir selbst zuzuhören.
Und das ist der Anfang von allem.
Lass dich nicht von deiner Angst stoppen.
Und auch nicht davon, ob jemand das, was du zu Papier bringst, gut findet oder nicht.
Schreib einfach.
Für dich.
Für mich.
Für uns.
Ganz egal.
Denn am Ende leben wir alle von Geschichten. Und deine gehört dazu.
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