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Triggerwarnungen in Büchern Sinnvoll oder Überflüssig

Triggerwarnungen in Büchern – Übertrieben oder sinnvoll?

08Okt2021

Vor einer Weile fragte eine Autorin bei Facebook nach Triggerwarnungen. Danach, wo genau sie in einem Buch am besten aufgehoben sind. Eine eigentlich einfache Frage, die - wie sooft in den sozialen Medien - ausuferte und schnell am eigentlichen Thema vorbeiging.

Und auch bei Instagram gab es vor Kurzem eine rege Diskussion über das Thema Triggerwarnungen zwischen Bloggern, Lesern und Autoren.

Über Sinnhaftigkeit und Nutzen und der Frage, was eine Triggerwarnung eigentlich überhaupt ist.

Ich habe die Diskussion mitverfolgt, mitdiskutiert und gemerkt, dass viele Unklarheiten und Halbwahrheiten existieren. Zeit also, mit ihnen aufzuräumen.

 

Was eine Triggerwarnung ist - und was nicht

Hier auf dem Blog, im Forum und im Alltag komme ich beinahe täglich mit Menschen in Kontakt, die die Auswirkungen eines Triggers kennen. Die traurige Wahrheit ist, dass ich mehr Männer und Frauen kenne, die (sexuelle) Gewalt oder andere Formen von Traumatisierungen erfahren mussten, als Menschen, die keine Überlebenden sind oder nicht mit seelischen Problemen kämpfen.

Mich selbst eingeschlossen.

Ich bin eine Überlebende. Ich habe unterschiedliche Formen von Gewalt und sexuellen Übergriffen erlebt, ein Thema, dass auch immer wieder in meinen Büchern auftaucht.

Ich habe eine diagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung und obwohl ich stabil bin, und meine Traumata (auch dank des Schreibens) weitestgehend aufgearbeitet habe, kenne ich die Auswirkungen eines Triggers.

Ich weiß, wie sich ein Flashback anfühlt und habe erlebt, wie das Lesen eines Buches ihn auslösen kann.

Ich weiß, was es bedeutet, sich ungewollt zu erinnern. Wie es ist, zu einem Moment zurückzukehren, der die eigene Integrität geraubt und das Leben bis in seine Grundfeste erschüttert hat.

Ich weiß, wie viel Kraft man aufwenden muss, um zurück in ein inneres Gleichgewicht zu finden.

Und auch wie schwer und kräftezehrend es sein kann Sicherheit zurückzuerlangen, wenn einem die nötigen Werkzeuge fehlen. Weil sich selbst zu stabilisieren nicht leicht ist - oft gelingt es uns sogar erst nach einer langjährigen und passenden Therapie.

 

Warum Triggerwarnungen kein "neumodischer Schwachsinn" sind

Ein Autor hat Triggerwarnungen als genau so etwas bezeichnet. Neumodischer Schnickschnack. Übertrieben. Und er schrieb: "Früher, da brauchten wir so etwas auch nicht".

Eine Sache stimmt: Triggerwarnungen tauchen erst seit einigen Jahren vereinzelt in Büchern, Serien und Filmen auf. Sie sind eine relativ neuartige Entwicklung und dadurch für den einen oder anderen ungewohnt, gerade dann, wenn man sie selbst nicht braucht.

Was sie aber ganz sicher nicht sind, ist: Schwachsinn.

Traumatische Erfahrungen sind nicht neu. Es gibt sie schon immer. Sie sind Teil unserer Welt(geschichte) und damit die Lebensrealität viel zu vieler Menschen. Und nur, weil wir viele Jahre nicht darüber gesprochen haben, Menschen mit Traumahintergrund oder psychischen Einschränkungen weggesperrt oder ihre Existenz geleugnet, heißt das noch lange nicht, dass sie vorher nicht existiert haben.

Etwas, was wir nicht ansehen, ist trotzdem da - egal ob wir es das wollen oder nicht.

Die Herausforderungen anderer zu ignorieren, sie kleinzureden oder gar ins Lächerliche zu ziehen, nur weil sie uns selbst nicht betreffen: Das ist ein Schlag in das Gesicht jedes einzelnen Betroffenen.

 

Warum ein Trigger und ASMR nicht dasselbe sind - und es auch niemals sein werden

Das Wort Trigger begegnet uns heutzutage in vielen unterschiedlichen Kontexten. Es wird inflationär genutzt, nicht selten sogar dazu, die Erlebnisse und Schwierigkeiten eines Anderen ins Lächerliche zu ziehen, sie zu beschönigen oder einen Menschen als überempfindlich hinzustellen.

Manchmal werden Trigger auch mit ASMR-Reizen gleichgesetzt.

 

Also was genau ist eigentlich ein Trigger?

Das Wort Trigger kommt aus dem Englischen und bedeutet Auslöser. Es ist die psychologische Bezeichnung für einen innerseelischen Prozess, bei dem durch unterschiedliche Sinneseindrücke die Erinnerung an unangenehme oder traumatische Erlebnisse (oder Gefühle) angestoßen wird.

Ein Auslöser kann dabei alles sein: Ein Ort, ein Geräusch, ein Geruch, ein Wort, ein Satz und ähnliches.

Trigger lösen körperliche Symptome wie Herzrasen, Atemnot uns Schweißausbrüche aus.

Und sie führen zu seelischen Reaktionen wie Angst, Panik oder Dissoziation.

 

Was bedeutet ASMR?

ASMR sind gerade bei Youtube im Trend. Es steht für Autonomous Sensory Meridian Response und bezeichnet in gewisser Weise auch einen Auslöser. Es ist eine Art Kribbeln, dass man an der Kopfhaut oder auch am ganzen Körper wahrnehmen kann. Es ähnelt der Gänsehaut, wenn wir uns gruseln oder etwas eklig finden, hält jedoch länger an.

Die meisten Menschen empfinden ASMR Reize als schön und entspannend.

 

Wo liegt der Unterschied zwischen einem (psychologischen) Trigger & ASMR?

Im Gegensatz zu ASMR stürzen Trigger Menschen in seelische Krisen.

Trigger fühlen sich weder gut noch entspannend an. Sie werfen Betroffene zurück in traumatische Situationen und lassen sie diese ungewollt noch einmal durchleben.

Sie führen zu Retraumatisierung, Destabilisation und haben  - im schlimmsten Fall - sogar den Tod eines Menschen zur Folge.

Nämlich dann, wenn er sich aus Verzweiflung das Leben nimmt.

 

Welche Chancen Triggerwarnungen bieten - und wo ihre Grenzen liegen

Nicht alle Menschen finden Triggerwarnungen sinnvoll. Manche sind davon überzeugt, dass sie unwichtig sind, andere empfinden sie als störend. Einige konzentrieren sich mehr auf Gefahren und Grenzen, die Warnungen solcher Art mit sich bringen können.

 

# Warum Triggerwarnungen eine gute Sache sind

Auf potenziell triggernde Inhalte hinzuweisen gibt Betroffenen eine Chance.

Die Chance dazu, für sich selbst zu sorgen und Verantwortung zu übernehmen.

Denn statt Triggern ungewollt und ungeschützt ausgeliefert zu sein, bietet eine gezielte Triggerwarnung die Möglichkeit für eine bewusste Entscheidung: Die für ein (triggerndes) Thema oder dagegen. Für die Auseinandersetzung oder die Konfrontation mit bestimmten Thematiken - oder für das Vermeiden genau dieser.

Sie sind eine Chance zur Selbstfürsorge.

Weil sie die Möglichkeit schenkt, für sich selbst einzustehen und Klarheit ermöglicht. Darüber, was einen unter Umständen erwartet, wenn man ein bestimmtes Buch liest. Dadurch kann man vorsorgen: mit Skills oder ausgewählten Hilfsangeboten.

Nur für den Fall.

 

# Warum Triggerwarnungen nicht automatisch schützen und es auch niemals können werden

Triggerwarnungen geben uns eine Chance. Sie können ein Leitfaden sein, ein Wegweiser - doch gleichzeitig nehmen sie uns eine Sache niemals ab: Unsere Selbstverantwortung.

Trigger halten sich nämlich nicht an vorgegebene Themen - das weiß ich aus eigener, leidvoller Erfahrung.

Sie sind nichts, was wir auf einfache Begriffe begrenzen können, die verlässlich all das umschiffen, was für uns schmerzhaft oder gefährlich werden kann.

Stattdessen lauern sie überall.

Deshalb sollten wir uns niemals stumpf auf Triggerwarnungen und Warnhinweise verlassen und mit Scheuklappen durch die (Bücher)welt schreiten.

Als Betroffener kommst du nicht daran vorbei, deine eigenen Trigger zu kennen und jederzeit damit zu rechnen, einem von ihnen zu begegnen.

Achtsames und bewusstes lesen & konsumieren, ist eine Grundvoraussetzung, um dich zu schützen.

Denn ganz gleich, wie umfangreich eine Triggerwarnung auch sein mag oder wie detailliert jemand sie formuliert: Trigger sind so individuell wie die Menschen, die sie erleben.

Es ist schlicht unmöglich alles zu berücksichtigen.

 

Vor einem Trigger warnen: Wie eine (gute) Triggerwarnung aussehen sollte - und wie nicht

In Serien wie Tote Mädchen lügen nicht werden Warnungen vor potenziell triggernden Inhalten oft direkt zu Beginn der jeweiligen Folge eingeblendet - in Büchern gibt es unterschiedliche Ansätze. Mal sind die Warnungen allgemein gehalten, mal explizit.

Doch was macht eine gute Triggerwarnung eigentlich aus?

Welche Variante sollte man wählen?

Und gibt es Dinge, die wir beachten müssen - als Autoren, die Bücher schreiben und als Verlage, die diese im Anschluss veröffentlichen?

 

# Allgemeine Triggerwarnung vs explizite Triggerwarnung

Drei meiner Bücher haben gar keine Triggerwarnungen, weil diese damals noch gar nicht üblich waren, die anderen verfügen über eine allgemein gehaltene Warnung:


Als ich mich für diese Warnung meines Romans All The Broken Pieces And You entschieden habe, kam sie mir richtig vor.

Ich dachte, es würde ausreichen, meine Leser darauf hinzuweisen, dass mein Buch triggern könnte. Ich wollte weder spoilern noch falschen Erwartungen schüren. Und als Selbstbetroffene, für die eine solche Warnung ausreichend ist, war ich länger der Meinung, sie würde genügen und ihren Zweck erfüllen.

Doch das tut sie nicht.

Denn obwohl allgemeine Triggerwarnungen nicht per se falsch sind  - immerhin warnen sie ja trotzdem - sind sie nicht genug.

Eine allgemeine Warnung ist wie ein Allergie-Hinweis auf einer Produktverpackung, ohne weitere Anhaltspunkte. Jemand mit einer Allergie kann solch ein Produkt zwar als potenzielle Gefahrenquelle ausmachen, aber näher einordnen, das kann er es nicht.

Er muss sich entscheiden: dafür, eine mögliche allergische Reaktion in Kauf zu nehmen oder dafür, es nicht zu verzehren, um auf der sicheren Seite zu sein.

So ist es auch mit Büchern.

Allgemeine Triggerwarnungen können Leser dazu auffordern, achtsam zu lesen oder von einem Buch Abstand zu nehmen - aber gleichzeitig nehmen sie Betroffenen die Chance, sich tatsächlich entscheiden zu können.

Denn wir erfahren nicht, worauf wir uns einstellen müssen und im Zweifelsfall entscheidet wir uns gerade deshalb gegen da Lesen der Lektüre, aus Angst einem unserer Trigger zu begegnen, selbst wenn er gar nicht vorkommt.

Und das ist schade, weil wir damit mitunter ein verdammt gutes Buch verpassen.

Explizite Triggerwarnungen dagegen geben uns die Möglichkeit, Bücher genießen zu können und gleichzeitig zu wissen, was uns wirklich beim Lesen erwartet.

Es zwingt uns nicht dazu, ganze Genres, Verlage oder Autoren zu meiden (oder das Lesen allgemein). Durch sie können wir uns ganz bewusst für ein bestimmtes Thema entscheiden, wenn wir uns bereit fühlen, uns mit ihm auseinanderzusetzen.

 

# Warum ein Genre nicht Warnung genug ist - und es auch nicht sein kann

Manchmal wird argumentiert, dass man als Leser von Krimis doch damit rechnen muss, dass dort ein Mord geschieht. Oder dass das Genre Dark Romance schon von sich aus anrüchige und düsterere Themen bereithält.

Manche sagen, dass man als Betroffener eben einfach bestimmte Genre meiden soll, wenn man damit nicht umgehen kann.

Doch ist es damit wirklich getan? Ist es tatsächlich so einfach?

Nein, dass ist es nicht.

Jedes Genre bietet unzählige Variations-Möglichkeiten

Nur weil alle Krimis Mord thematisieren, heißt das nicht, dass wir automatisch auch mit jeder Grausamkeit rechnen oder mit allen Mordmethoden gleich gut umgehen können.

Es ist ein Unterschied, ob jemand erstochen oder erdrosselt wird. Ob ein Täter im Affekt oder durch Planung das Leben eines anderen auslöscht. Und es spielt eine Rolle ob es sich bei dem Opfer um einen Erwachsenen, ein Kind oder ein Tier handelt.

Jede Geschichte ist anders - und auch wenn es genrespezifische Besonderheiten gibt, die man beachten sollte, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es auch okay ist, alle Bücher über einen Kamm zu scheren.

Denn jemand kann Krimis lesen und kein Problem mit der Handlung haben, solange bis sie von einer grauenvollen Tat gegenüber einer Frau handelt. Weil er womöglich etwas ähnliches erleben musste und ihn das daran erinnert.

Ein anderer kann Dark Romance lieben, weil er beim Lesen gerne Grenzen überschreitet- aber mit der thematisierten rituellen Gewalt gegenüber der Protagonistin in einem einzigen Buch kann er trotzdem nicht umgehen. Weil er selbst Opfer eben dieser geworden ist.

Jedes Genre enthält unzählige Facetten und ein ganzes Spektrum an möglichen Themen-Nuancen.

Es ist weder schwarz noch weiß.

Ist es da fair, auf ein komplettes Genre verzichten zu müssen, nur weil man mit einem oder ein paar der vorkommenden Themen nicht gut umgehen kann?

Ist es fair, Menschen, die Triggerwarnungen brauchen, um einen speziellen Themenbereich ausklammern zu können, mit Bemerkungen dieser Art von guten Büchern auszuschließen?

Eine falsche oder unzureichende Genre-Einordnung im Buchhandel & online

Genres und Sub-Genres stehen nur selten auf Filmen, Serien oder Büchern. Manchmal - bei Fantasy Romanen beispielsweise - können wir ein Buch anhand seines Titels und des Klappentextes einordnen.

Doch oft genug tappen wir auch dabei im Dunkeln.

Manchmal liegen Dark Romance Bücher direkt neben einer locker-leichten Liebesgeschichte auf dem Bestseller-Tisch. Manchmal sind Ü18 Bücher in der Jugendbuchabteilung einsortiert, obwohl sie dort gar nichts zu suchen haben.

Buchhändler machen Fehler, Cover trügen, Kunden bringen Bücher durcheinander - das passiert. Es ist menschlich.

Doch so greifen Menschen - mitunter auch junge Menschen - zu Büchern, die ihnen nicht nur nicht gefallen, sondern die sie sogar verstören können. Oder ihnen schaden.

Und was im klassischen Buchhandel gilt, gilt auch online.

In Online-Shops kann man die Suche auf entsprechende (Wunsch-)Genres einschränken - doch das heißt noch lange nicht, dass die Bücher dort auch richtig einsortiert worden sind.

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich mich durch eine Kategorie bei Amazon klicke und unpassende Inhalte entdecke. Wie oft ich sehe, dass Romane von Verlagen und Selfpublishern in Sub-Genres einsortiert worden sind, die ihnen nicht entsprechen.

Vielleicht, weil sie kein eigenes Genre haben.
Vielleicht, weil sie sich so besser verkaufen.

Eine Triggerwarnung kann schützen - selbst und gerade dann, wenn ein Genre nicht ersichtlich ist.

 

Der (perfekte) Aufbau einer Triggerwarnung

Eine Triggerwarnung darf lang sein oder auch kurz.

Sie sollte enthalten, worauf sie sich bezieht (ein spezielles Thema wie Essstörungen oder den Tod eines Angehörigen) und auch einen Hinweis darauf enthalten, was genau durch sie ausgelöst werden kann (z.b. herausfordernde Gefühle).

Optional kann an die Selbstverantwortung des Lesers appelliert werden oder sogar eine Hilfestellung bereitgestellt (beispielsweise die Telefonnummer zur Telefonseelsorge oder ähnliches).

Lucia hat auf ihrer Seite nicht nur eine tolle Zusammenfassung, sondern auch eine Vorlage, an der ihr euch orientieren könnt.

 

# Mögliche Variationen einer Triggerwarnung in Büchern & ihre Vor- und Nachteile

Wo genau soll sie jetzt aber sein - die Triggerwarnung?

Hier sind drei mögliche Varianten:

- Eine explizite Warnung am Anfang des Buches

Du kannst die Triggerwarnung samt Themen direkt an den Anfang des Buches setzen.

Vorteil: Leser sehen sofort was sie erwartet. Kein Blättern. Auch bei digitalen Leseproben ist das Lesen der Warnung problemlos möglich.

Nachteil: Viele Leser spoilert eine explizite Warnung zu Beginn des Buches - mich eingeschlossen. Als Autorin weiß ich, wie Geschichten aufgebaut sind, welche Spannungspunkte und Ploteigenschaften sie in der Regel mitbringen & das führt dazu, dass explizite Triggerwarnungen (für mich) die Spannung und Freude an der jeweiligen Geschichte dämpfen.

 

- Eine allgemeine Triggerwarnung vorne im Buch & eine Explizite auf den letzten Seiten

Eine weitere und oft genutzte Variante ist die allgemeine Triggerwarnung zu Beginn eines Buches, mit Hinweis auf eine explizite am Ende. Wie bei dem Buch Durch die kälteste Nacht von Brittainy C. Cherry aus dem Lyx-Verlag.

Vorteil: Betroffene haben die Möglichkeit, sich näher zu informieren - müssen es aber nicht. Nicht-Betroffene werden nicht gespoilert.

Nachteil: Bei digitalen Leseprobe auf einem E-Reader oder in einer Lese-App, hat man ausschließlich Zugriff auf die ersten Seiten eines Romans. Das Blättern zum Anhang - und damit zu einer expliziten Auflistung der möglichen Triggerthemen - ist damit nicht möglich. Man muss ein Buch erst kaufen, um sie einsehen zu können.

 

- Eine allgemeine Triggerwarnung im Buch & eine Explizite auf einer Webseite

Manche Verlage und Autoren entscheiden sich für eine allgemeine Triggerwarnung zu Beginn eines Buches und einer ausführlicheren Auflistung auf der (Verlags)Webseite. Auch die möglichen Themen meiner eigenen Bücher findet ihr hier auf dem Blog.

Vorteil: Keine mögliche Spoilergefahr. Jeder - auch Käufer von gebrauchten Print-Büchern und Interessierte - können im Internet vor dem Kauf eines Buches nachlesen. Vorausgesetzt die veröffentlichte Triggerwarnung ist dem potenziellen Leser bekannt.

Nachteil: Ohne Internet hat man keinen Zugang zu der expliziten Triggerwarnung. Außerdem ist der Hinweis auf eine detaillierte Auflistung und die Verlinkung zur jeweiligen Webseite Voraussetzung, um diese einsehen zu können. Falls sich Änderungen an der Homepage ergeben oder Permalinks verändert werden, ist eine mögliche Warnung ggf nicht erreichbar, da sie im jeweiligen Buch nicht angepasst worden ist oder angepasst werden kann.

 

 

Was Triggerwarnungen nicht sind - und auch niemals sein sollten

 

# ASMR-Reize gehören nicht in eine Triggerwarnung

Natürlich gibt es positive Reaktionen wie ASMR oder eine Gänsehaut, die sich langsam über unseren ganzen Körper ausbreitet, wenn wir spannende Serien schauen oder Bücher lesen. Wir gruseln uns, ekeln uns, sind fasziniert, manchmal schlägt unser Herz wie wild und wir vergessen zu blinzeln. Manchmal lesen wir gerade deshalb etwas. Weil es sich irgendwie gut anfühlt. Besonders. Ja, sogar berauschend.

Doch vor ASMR müssen wir nicht gewarnt werden. Weil sie Menschen nicht in Krisen stürzen. Weil sie nicht zu negativen Reaktionen führen, sondern zu positiven.

Natürlich darf man erwähnen, dass ein Buch besonders spannend ist, gewisse (angenehme) Reize auslösen kann oder Themen beinhaltet, die Menschen faszinieren - doch all das ist keine Triggerwarnung.

Und sie als solche zu bezeichnen verwässert den wahren Sinn einer solchen Warnung.


# Triggerwarnungen sind kein Zeichen für (extreme) Brutalität oder besonders schlimme Themen in Büchern

Da Trigger alles sein können, bedeuten Triggerwarnungen nicht automatisch mehr Brutalität oder schlimmere Themen. Sie sind keine Einstufung von Radikalität oder Gewalt. Sie zeigen nicht, welche Bücher besonders krass sind und welche nicht.

Ihr alleiniger Zweck ist es, vor potenziellen Triggern zu warnen.

Nicht mehr - und nicht weniger.

 

# Triggerwarnungen müssen weder attraktiv sein noch zum Kauf anregen

Es spricht nichts gegen eine Anmerkung, die auch potenzielle Käufer anspricht, doch Triggerwarnungen sind kein Werbemittel.

Sie müssen nicht spannend oder sexy oder besonders einzigartig formuliert werden, sondern schlicht und einfach auf triggernde Inhalte hinweisen.

Sie als Werbemittel zu missbrauchen, löst sie aus ihrem eigentlichen Kontext heraus und macht sie mitunter unbrauchbar.

Menschen mit seelischen Problemen kämpfen bereits an genug Fronten - wieso sollten wir ihnen also jene Hilfsmittel, die ihnen ein angenehmeres und sichereres Lesevergnügen bereiten sollen, nehmen wollen?

Wir tun es nicht bei blinden Menschen, indem wir Blindenleitsysteme gegen Barfuß-Pfade austauschen, nur weil wir sie schön finden.

Wir tun es nicht mit essenziellen Hinweisen für Allergiker, indem wir Aufdrucke verschlüsseln, nur um sie für potenzielle Nicht-Allergiker interessanter zu machen und dazu anzuregen, ein intensives und einzigartiges Geschmackserlebnis zu erhalten.

Warum also sollten wir es bei Triggerwarnungen für Menschen mit seelischen Erkrankungen und Traumahintergrund tun?


Triggerwarnungen sind wichtig

Für mich bedeuten Triggerwarnungen einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Ein Schritt, der bei unserem heutigen Wissensstand rund um psychische Erkrankungen, ihren Hintergründen und Folgen, längst überfällig war.

Ja, Triggerwarnungen haben ihre Grenzen - mehr vielleicht, als wir uns eingestehen wollen.

Doch sie zu nutzen bedeutet in erster Linie Respekt.

Nämlich jenen gegenüber, die sie brauchen und sich wünschen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hi!
    Danke für diesen Beitrag. Er hat mir geholfen mich für eine Triggerwarnung in meinen Büchern zu entscheiden!
    Danke!

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