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    Tränen: 4  Dinge, die du versuchen kannst, wenn Weinen nicht geht

    Tränen: 4 Dinge, die du versuchen kannst, wenn Weinen nicht geht

    28Jul

    Weinen ist wichtig. Es ist nicht nur Ausdruck unserer ureigensten Gefühle, sondern auch ein wichtiges Kommunikationsmittel für die Außenwelt. Denn Tränen verstärken jene Gefühle, die andere in unserer Mimik lesen können.

    Dabei weinen wir aus ganz unterschiedlichen Gründen: Tränen der Trauer, der Wut, der Verzweiflung oder des Schmerzes. Wir weinen aus Erleichterung und genauso aus Freude (beispielsweise wenn wir jemanden nach langer Zeit wiedersehen).

    Weinen verbindet uns nicht nur mit unseren Gefühlen, hilft, sie auszudrücken, sondern ist vor allem eins: entlastend. Klick um zu Tweeten

    Tränen sind die natürlichste Sache der Welt – doch in unserer Gesellschaft werden sie nicht selten mit Schwäche gleichgesetzt.
    Vielen Kindern – gerade Jungs – bekommen mindestens einmal in ihrem Leben zu hören, sie sollten »stark« sein, während sie gerade weinen.

    Dabei offenbart Weinen niemals Schwäche, sondern Verletzlichkeit. Doch weil Tränen so offensichtlich mit unserem inneren Erleben verbunden sind, fällt es oftmals schwer, sich darauf einzulassen.

    Manchmal, weil wir früh lernen mussten unsere Gefühle runterzuschlucken.

    Manchmal, weil wir ausgelacht, missachtet oder sogar dafür bestraft wurden.

    Manchmal, weil wir Angst davor haben nie wieder damit aufhören zu können. Wir spüren wie stark wir damit ringen, unsere Fassung zu wahren und ein Bild von uns aufrechtzuhalten, dass wir glauben, alles bräche entzwei, sobald wir unsere Gefühle zulassen.

    Auch in meinem Leben gab es eine Zeit, in der ich kaum weinen konnte.

    Ich wurde als Kind sehr oft für meine Gefühle zurechtgewiesen und das hallte lange nach. Ich habe mich geschämt. Ich wollte keine Schwäche offenbaren und noch weniger zeigen, wie sehr Andere schafften, mich zu verletzen. Ich wollte nicht weinen, wenn jemand mich beschimpfte oder maßregelte. Mir sagte, wie falsch oder unnormal ich wäre.

    Und während der schlimmen Phasen meiner Depression verlor ich schlicht den Kontakt zu meinen Tränen. Ich fühlte eine allumfassende Ohnmacht und jede Menge Traurigkeit, aber weinen? Das konnte ich nur selten.

    Heute ist das anders. Ich habe den Zugang zu meinen Gefühlen und damit zu meinen Tränen wiedergefunden. Und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir das Weinen (wieder)erlernen können.

    Denn Tränen sind einer der bedeutsamsten Zugänge zu unserem Gefühlsleben. Ein wahrer Ausdruck menschlicher Emotion.

     

    Vier Dinge, die helfen können, den Zugang zu deinen Tränen zurückzugewinnen:

     

    1. Schaff dir einen sicheren Ort zum Weinen

    Wenn ich weine, will ich nicht angesprochen oder ausgefragt werden. Manchmal nicht mal getröstet.

    Viele von können nicht vor anderen weinen, deshalb: Schaff dir einen Raum für dich selbst.

    Schaff dir einen Ort, an dem du deine Gefühle rauslassen kannst. An dem du dich eine Weile mit deinem Schmerz und deiner Verletzlichkeit beschäftigen kannst.

    Schließ dich im Badezimmer ein. Geh auf den Balkon. Mach einen Spaziergang. Geh im Keller die Wäsche aufhängen. Ganz egal. Wichtig ist: Etwas Zeit für dich, um die Chance zu haben, deine Tränen loszulassen.

     

    2. Atme, um die Anspannung zu lösen, die deine Tränen blockiert

    Gerade wenn ich die Tränen hinter meinen Lidern spüre und sie nicht rauslassen kann, hilft mir folgendes:

    Ich schließe die Augen. Und atme. Ein und aus. Aus und ein. Konzentriere mich auf das Gefühl des Bodens unter meinen Füßen. Und damit darauf, wo ich anfange und ende.

    Ich atme die Anspannung heraus, die die Tränen blockiert, bis sie weniger wird und ich entweder Zugang zu den Tränen bekomme oder die Anspannung fort ist, so dass die Tränen nicht mehr unbedingt nötig sind.

    Denn Anspannung blockiert Tränen. Sie bedeutet, dass alles in uns sich verhärtet und zusammenzieht. Unsere Muskeln, unser Körper, unser Herz. Atmen hilft diese Anspannung zu lösen. Durchzuatmen.

    Wichtig: Das ist eine Übung, die du nicht nur dann machen solltest, wenn gerade nichts mehr geht. Sie erfordert etwas Übung und je öfter du es probierst, umso besser klappt es.

    Bei mir hat es gedauert und auch erst die Auseinandersetzung mit Meditationstechniken hat geholfen, dass ich mich darauf einlassen konnte. Seitdem gehört es zu meinen »Wundermittel«-Werkzeugen.

     

    3. Such dir emotionale Filme, Musik oder Bücher, um deine Tränen anzustoßen

    Filme, Bücher, Serien, Musik – das sind Dinge, die uns emotional berühren und somit auch Zugang zu unseren Tränen schaffen können.

    Wenn du grundsätzlich in solche Momenten weinen kannst – dann such dir ein emotionales Buch oder einen Film, einen Song, der dich an jemanden erinnert, den du vermisst.

    Ganz egal.

    Nutz diese Dinge als Werkzeug, um die Tür zu deinen Tränen aufzustoßen. Denn in erster Linie ist es egal, wie wir den Zugang zu unserem Inneren bekommen. Wichtig ist nur, dass wir es tun, um weinen zu können.

    Tränen sind Ausdruck eines Gefühls. Und es ist ok, Dinge wie Filme oder Musik zu nutzen, um diesen Zugang zu legen.

    Und wenn wir wieder lernen Gefühle zuzulassen und sie auszudrücken, wird es mit jedem Mal leichter.

     

    4. Schreiben statt Weinen

    Manchmal ist alles in mir ein einziger Wulst. Ich bin unruhig, schaffe es aber nicht, meine Gefühle loszulassen. Ich will, nein, ich muss so dringend weinen und habe keine Ahnung warum.

    In diesen Momenten schnappe ich mir mein Tagebuch und einen Stift, stopfe mir die In-Ear Kopfhörer in die Ohren und drehe die Musik auf. Und dann beginne ich zu schreiben. Ich schreibe alles aus mir raus, lasse die Anspannung, die Suche nach dem Warum, die Unruhe, die Traurigkeit, den Schmerz,… dort.

    Ich schreibe darüber – und öffne dadurch nicht nur die Tür zu meinem Unterbewusstsein, sondern auch die zu meinen Gefühlen und Gedanken.

    Und dann plötzlich kann ich sie wahrnehmen und die ersten Tränen tropfen aufs Papier.

    Wenn dir das passiert: Das ist okay. Schreib einfach weiter. Solange, wie du es brauchst und das Gefühl hast, wieder atmen zu können.

    Du kannst auch bewusst über traurige Augenblicke schreiben, dich daran erinnern und so die Schleuse öffnen. Ganz egal: Wichtig ist, was dir in diesem Moment hilft, deine Tränen zuzulassen.

     

    Denn unsere Gefühle sind es, die uns lebendig machen. Sie machen uns authentisch. Sie machen uns echt.

     

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