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Selbstverletzung: 4 Dinge, die Du tun kannst

Selbstverletzung: 4 Dinge, die Du tun kannst

13Jun

Als Jugendliche begann ich, mir selbst Verletzungen zuzufügen. Erst griff ich nach einer Spiegelscherbe, später nach Rasierklingen oder schluckte alle möglichen Medikamente.

Dieses selbstverletzende Verhalten (kurz SVV) begleitete mich jahrelang.

Über ein Jahrzehnt nutzte ich es.

Um mit Druck und Anspannung zurechtzukommen.
Um mich zu spüren oder zu bestrafen.
Um Gedanken oder Gefühle loszuwerden.
Um mich zu betäuben oder irgendwie zu spüren.

Und damit war ich nicht alleine.

Etwa 800.000 Menschen in Deutschland verletzen sich selbst. Greifen regelmäßig zu Rasierklingen, Messern oder anderen Formen der Selbstschädigung.

Selbstverletzung ist eine Verhaltensweise, von der wir wissen, dass sie uns nicht guttut. Gegen die wir ankämpfen. Weil sie destruktiv ist und uns schadet, während sie gleichzeitig hilft.

Und ja, sich selbst zu verletzen ist nicht die beste Variante, um mit seelischem Schmerz umzugehen.

Aber die Wahrheit ist, SVV passiert nicht, weil du faul oder schwach bist oder nichts Besseres zu tun hast. Sie geschieht, weil deine Seele leidet.

Selbstverletzung ist ein (eher unglücklich gewählter) Versuch unserer Seele, mit Überlastung zurechtzukommen. Klick um zu Tweeten

 

Oft nehmen wir uns vor, damit aufzuhören. Wir versprechen es Freunden, unserem Partner oder uns selbst. Wir nutzen Skills und unterschreiben Therapie-Verträge.

Wir kämpfen. Tag für Tag. Immer wieder.

Doch ganz gleich wie stark wir es versuchen: Manchmal ist der Druck einfach zu groß. Dann ist da kein Raum mehr für das Austesten von Möglichkeiten oder ein langsames Runterskillen.

Das Ventil steht unter Spannung – also öffnen wir es. Und zwar auf die eine Weise, die uns vertraut ist.

 

Hier sind 4 Dinge, die du tun kannst, wenn du dich (trotz allem) selbst verletzt hast:

 

1. Hör auf, dich für die Selbstverletzung zu verurteilen.

Vielleicht hast du dir vorgenommen, andere Wege zu finden, um mit Sorgen und Stress oder Angst umzugehen. Vielleicht ist da auch jemand, dem du versichert hast, dass du damit aufhörst und den du nicht enttäuschen willst.

Aber: Passiert ist passiert.

Es liegt nicht in deiner Hand, die Vergangenheit zu verändern. Es gibt keinen Resetknopf – weder im Leben, noch bei Entscheidungen, die wir im Anschluss bereuen. Du kannst nicht rückgängig machen, dass es passiert ist. Alles, was also jetzt zählt ist, wie du weitermachst.

Und weder Selbstvorwürfe noch Scham bringen dich weiter. Sie helfen nicht, weil sie niemals konstruktiv sind. Im Grunde führen sie geradewegs in eine Sackgasse aus noch mehr Druck, Anspannung und Destruktivität.

 

2. Umsorg dich, wenn du dich verletzt hast.

Ganz sicher ist die Versuchung riesig, enttäuscht oder wütend zu sein; dich selbst zu verachten oder gar zu schämen. Aber du hast weder versagt noch warst du schwach.

Du warst in Not – und in dieser Not hast du gehandelt.

Du hast etwas unternommen, um dir selbst zu helfen. Deine Seele brauchte Entlastung und die hast du ihr gegeben.

Auf die bestmögliche Weise, die eben möglich war.

Deshalb verurteil dich nicht. Verlier dich nicht in dem Gefühl aus Versagen und Bewertung. Tu stattdessen das, was dir vor der Selbstverletzung nicht möglich war:

Sei gut zu dir selbst. Umsorg dich. Jetzt erst recht.

Ruf eine Freundin an.
Bitte jemanden, dich in den Arm zu nehmen.
Kuschel dich ins Bett und schlaf eine Runde.
Schau eine Folge deiner Lieblingsserie.
Lies ein Buch.
Mach eine Achtsamkeitsübung.
Schreib.
Atme.

Egal was es ist: schau darauf, dass es dir guttut.

 

3. Nutze die Selbstverletzung, um dich selbst besser verstehen zu lernen.

Statt dich selbst zu verurteilen, dich zu schämen oder zu hassen: schau hin.

Auf dich. Und auf das, was passiert ist.
Nimm den Rückfall schreibend auseinander.

Woher kam der Druck / Was ist passiert?
Was sollte aufhören oder war zuviel?
Wobei hat es geholfen?
Was sollte weggehen oder weniger werden?
Wie hoch war der Druck (auf einer Skala von 1-10) davor und wie hoch ist er jetzt?
Welche Gedanken waren da? Welche Gefühle?
Wie geht es dir jetzt danach?

Unsere Symptome sind der direkte Zugang zu unseren Inneren. Sie sind Türen zu unverheilten Wunden und damit zu den wahren Baustellen unseres Lebens.

Wenn du die Selbstverletzung also nicht verhindern kannst: Nutz sie, um dich selbst und dein Inneres verstehen zu lernen.

Denn nur, wenn wir verstehen, was in uns passiert, können wir achtsamer mit uns selbst umgehen lernen und können die destruktiven Verhaltensweisen irgendwann loslassen.

 

4. Mach dir bewusst, dass Rückschläge dazugehören.

Besser mit dir selbst umzugehen zu wollen ist nobel. Es ist gut und auch richtig. Aber eine Entscheidung zu treffen, bedeutet eben nicht automatisch, dass wir auch immer danach handeln können.

Deshalb erinnere dich daran, dass der Weg raus aus Destruktivität niemals gradlinig verläuft. Er ist voller Hügel und Kurven. Voll von Löchern und Stellen, an denen wir langsamer werden oder auch einmal ein paar Schritte zurücktreten müssen.

Rückschläge und schwere Momente gehören dazu.

Sie sind menschlich.

Alles, was du tun kannst, ist: dein Bestes zu geben. Tag für Tag. Moment für Moment. Mehr geht nicht. Selbst wenn du es dir wünschst.

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