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#Schreiberfahrungen –  Schreiben bedeutet innere Konflikte bearbeiten

#Schreiberfahrungen – Schreiben bedeutet innere Konflikte bearbeiten

28Nov
Schreibend in den Kopf eines anderen zu schlüpfen, den Konflikt aus der Sicht seiner Figuren zu erleben: das hilft dem Autor Peik Volmer dabei, innere Konflikte zu bearbeiten. In diesem Interview berichtet er über seine Schreiberfahrungen.



Schreib darüber - ein Interview #6 mit Peik Volmer über seine Schreiberfahrungen



Drei Worte, die dich am Besten beschreiben:

großzügig, dickköpfig, zielstrebig.


Schreiben bedeutet für mich ...

Schreiben bedeutet für mich die Möglichkeit, innere Konflikte zu bearbeiten, indem ich meine Figuren den Konflikt „spielen“ lasse und schauen kann, wie sie sich verhalten - auch in unterschiedlichen Variationen. Zudem stellt es für mich eine Art Tagebuch dar. Die Menschen, von denen ich schreibe, existier(t)en tatsächlich, auch die Situationen sind erlebte Geschichten.


Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Anfang der 2000er Jahre habe ich Quedlinburg besucht. Der historische Kern ist von einer Art Ring umgeben, an dem man gut parken kann. Ich steige aus und sehe an einem Zaun ein Hinweisschild auf einen Installateur, der meinen Vornamen trägt. Hallo? „PEIK“? Das warf mich aus dem Gleichgewicht. Wieder zu Hause, habe ich einige Zeit gezögert. Als Hamburger drängt man sich nicht gern auf. Dann schrieb ich ihm doch. Und war froh, etwas später einen Brief in Händen zu halten - von Peiks Frau, die mir erzählte, dass er selbst beim Segeln vor Rostock ertrunken war. Sie beschrieb ihn mir, und beschrieb mich. Ich hatte das Gefühl, einen Bruder gefunden zu haben, nur, um ihn gleich wieder zu verlieren. Interessant: Seinen Vornamen hatte er, obzwar in der DDR aufgewachsen, von demselben Buch von Barbara Ring, ‚Peik‘.

Ich begann, auf Zetteln Gedanken zu notieren. Zum Beispiel, inwieweit der Name eine Ähnlichkeit in der Persönlichkeitsentwicklung bedingen könnte. Ich habe über ihn und die Schilderungen seiner Frau viele Dinge von mir besser verstanden. Irgendwann habe ich die Zettel gesichtet. Einiges war peinlich, aber manches auch ganz gut ... Ja, und da habe ich angefangen, Geschichten zu schreiben ...


Mit was für Problemen kämpfst du/hast du gekämpft und (wie) hilft dir Schreiben dabei?

Das zentrale Thema in meinem Leben ist die Frage, ob meine Mutter ( mein Vater fiel als Erziehungsperson aus ) mich geliebt hat. Solange ich funktionierte, solange sie es schaffte, mich mit Manipulationen auf ihre Spur zu bringen, war alles gut. Irgendwann aber kamen wir an den Punkt, an dem ich mich emanzipierte. Meinen Lebensstil konnte sie nicht akzeptieren und verbot mir, nach Hause zu kommen. Erst als sie im Sterben lag, war ich wieder willkommen, auch wegen meines beruflichen sozialen Status ( Dr.med. ).


Wie nutzt du das Schreiben am Liebsten? / Was schreibst du?

Ich schreibe inzwischen beruflich und habe mit ein Pensum von 15000-20000 Zeichen gesetzt. Ich habe zwei Arzt-Serien für den Kelter-Verlag geschrieben ... die erste Serie, „Dr. Sonntag“, war dem Verlag zu heikel. Atheistische Pfarrer, alkoholkranke Ärzte, schwule Ärzte und Pfleger, lesbische Lehrerinnen, ein transsexueller Kommissar, Gewalt in der Ehe - keine Themen für die Leserschaft des Kelter-Verlags. Die zweite Serie, „Professor Hartwig“, spielt vor dem PandemieHintergrund - allerdings habe ich feststellen müssen, dass ich nicht zum Verlag passe, wiewohl ich das Format ‚Heftroman’ wirklich sehr liebe.


Was ist das Schwierigste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Ich würde gern antworten, Schreibblockaden oder Ähnliches, aber - ich kenne keine Schwierigkeiten im kreativen Prozess. Ich schreibe wie im Rausch. Schubst mich an, und ich höre nicht mehr auf. Problematisch wird’s, wenn ich überarbeite. Dann verändere ich einen Satz gefühlt 70 Mal, und bin doch nicht glücklich damit. Und es gibt Tage, da habe ich keine Lust zum Schreiben. Dann lasse ich’s!


Was ist das Schönste / Bereichernste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Ich habe Spaß an der Eigendynamik, die meine Figuren entwickeln. Ich schaffe die Ausgangsposition und sage, Ok, nun macht mal. Und dann machen sie ... meist alles ganz anders, als ich es geplant hatte. Wenn ich morgens aufwache, rede ich mit den Personen, über die ich heute schreibe. Klingt wahnsinnig - ist aber so. Ich interviewe sie, und bin überrascht von dem, was passiert.


Gibt es Hobbys und Dinge, die du tust, wenn du nicht schreibst?

Leider ja. Ich sammele. Ü-Ei-Figuren, PEZ-Bonbonspender, und die Spielzeuge von McDonalds und Burger King. Bis vor Kurzem war ich mindestens einmal pro Woche im Kino, und ich fahre gern durch die Gegend, besonders Ruhrgebiet liebe ich. Muss ich Lesen erwähnen?


Was treibt dich an?

Die Liebe! ( Das habe ich nur geschrieben, weil es toll aussieht! ) ( Nein, stimmt nicht. Schon auch die Liebe. Aber Lachen ist wichtiger. Und Ehrgeiz und Eitelkeit gehören auch dazu. ) Im Ernst: Ich habe eine Reihe von Leser-Zuschriften bekommen, in denen mir wildfremde Menschen danken und mir erzählen, dass ich es geschafft habe, sie aufzuheitern, sie einen Moment lang in eine andere Welt zu entführen, sie zu trösten, und Hoffnung zu vermitteln. Ist das nicht wunderbar? ( Also doch. Die Liebe. Ich hab’s ja gleich gesagt. )


Gibt es etwas, dass du Anderen gerne mitgeben möchtest?

Leider hören wir viel mehr „Neins“ als „Jas“ im Leben. Das Wichtigste ist, sich von den Neins nicht abschrecken oder aufhalten zu lassen. Man muss an sich glauben, und seinen Weg weiter verfolgen, unbeirrt, wenn man ihn für den Richtigen erkannt hat. Nur wer authentisch lebt und sich den Schneid nicht abkaufen lässt, ist wirklich glücklich.



Über

 (c) Peik Volmer ist Autor.


Mehr über ihn erfährst Du unter:


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