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#Schreiberfahrungen –  Schreiben bedeutet nachzuspüren

#Schreiberfahrungen – Schreiben bedeutet nachzuspüren

05Dez
Den eigenen Gedanken und Gefühle nachzuspüren: das ist für Sylvia Reppel eines der wichtigsten Dinge beim Schreiben. Sie ist Sängerin des Duo Liedeswert und arbeitet gerade an ihrer Biographie. Und diese Woche berichtet sie über ihre Schreiberfahrungen.



Schreib darüber - ein Interview #8 mit Sylvia Reppel über ihre Schreiberfahrungen



Drei Worte, die dich am Besten beschreiben:

Zuverlässig. Empathisch. Freiheitsliebend.


Schreiben bedeutet für mich ...

Meine Gedanken und Gefühle nachzuspüren um mich besser verstehen zu können. Außerdem habe ich durch die Biografie Arbeit gelernt, die Rollen meiner Eltern und Halbgeschwister zu bewerten und konnte so manche Situation besser begreifen und später dann verzeihen.


Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Meine damalige Therapeutin, hat mir empfohlen meine Lebensgeschichte aufzuschreiben um genau das zu erreichen, nämlich vergeben zu können. Damals hielt ich das für Humbug - aber je mehr ich schrieb, umso klarer wurde mir, warum ich so bin wie ich bin. Das hat mir sehr geholfen, mich selbst wieder anzunehmen und mich auch ein Stück weit neu kennen zu lernen.
Mittlerweile denke ich, man müßte mein Leben verfilmen...


Mit was für Problemen kämpfst du/hast du gekämpft und (wie) hilft dir Schreiben dabei?

Am Anfang war es schwer für mich, gedanklich in die jeweiligen Situationen zu gehen. Ich habe frühkindliche Traumata - ein sogenanntes Entwicklungstrauma und sehr klare Erinnerungen an viele Situationen die mir passiert sind. Da brauchte ich manchmal Pausen, um weiter schreiben zu können. Aber als ich dann auf dem Monitor sah, was ich geschrieben hatte, da ist es auch in meinem Herzen angekommen, dass mir das alles wirklich passiert ist. Bisher war es immer so, als hätte ich das alles als Zaungast erlebt. Da war nicht immer einfach, aber es wurde besser mit der Zeit.


Wie nutzt du das Schreiben am Liebsten? / Was schreibst du?

Im Moment arbeite ich an meiner Biografie, aber manchmal hätte ich auch Lust darauf, Romane zu schreiben oder Kinderbücher für Kinder von psychisch kranken Eltern.

....und manchmal schreibe ich auch Lieder...


Was ist das Schwierigste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Was ist wichtig und was lass ich weg...
Ich habe 1000nde Situationen aus meinem Leben im Kopf, aber mir fällt es oft schwer, die raus zu suchen die für mein Buch relevant sein könnten, denn ich habe vor, es irgendwann zu veröffentlichen.
Außerdem möchte ich manche Situationen nicht zu drastisch darstellen, da sie vielleicht für den Leser verstörend wirken könnten.


Was ist das Schönste / Bereichernste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Ich habe mal bei einem Kettenroman mitgewirkt. Das war eine Gruppe von phantasievollen Leuten, die gemeinsam an einem Roman geschrieben haben und an dem fast ein Jahr lang jeden Tag etwas passierte. Wir hatten damals viele Fans, die von Tag zu Tag lesen wollten, wie es in der Gemeinschaft rund um die Gaststätte „Et Bröckske“ weiter geht. Eine Art Daily Soap - aber halt geschrieben. „Tatort Krefeld“ hieß der Kettenroman und wurde von einem Krefelder Schriftsteller ins Leben gerufen. Meine Rolle war die resolute Krefelderin „Gertrud Draken“, die trotz ihres Alters ganz schön Pfeffer im A.... hatte. Es war herrlich, in Mundart und mit Lokalkolorit in eine andere Rolle zu schlüpfen.


Gibt es Hobbys und Dinge, die du tust, wenn du nicht schreibst?

Oh, ja viele... Ich singe seit ich denken kann und habe vor einem Jahr mein Hobby zum Beruf gemacht. Nach 15 Jahren in der Pflege und weiteren 15 Jahren Selbständigkeit als Geschäftsführerin einer Modeboutique, wollte ich mal etwas anderes machen. Ich habe bis jetzt nur hobbymäßig auf Events gesungen - jetzt singe ich mit Vertrag. Mein Mann unterstützt mich dabei und wir haben 2019 das Duo Liedeswert gegründet. Leider kam uns in diesem Jahr Corona dazwischen...

Ich bin im Karneval sehr aktiv und schlüpfe gerne in Rollen - musikalisch und auch als Parodistin in Sketchen. Außerdem bin ich sehr naturverbunden, habe einen kleinen Hund und liebe meinen Garten. Ich fahre gerne Fahrrad, liebe es unter Menschen zu sein und bin in verschiedenen Gruppen und Chören.... die aber alle leider in diesem Jahr - wie für die meisten - nicht stattfinden konnten.


Was treibt dich an?

Oh, darüber muß ich jetzt lange nachdenken... Mein Antrieb ist auf jeden Fall, mir immer selbst treu zu sein. Echt zu sein und alle Gefühle zulassen zu können. Ich schäme mich heute nicht mehr für meine Gefühle und verberge sie auch nicht mehr vor anderen. Authentizität ist wichtig in einer Welt, in der Menschen davon besessen sind, sich immer mehr selbst optimieren zu müssen. Ich spüre die Sehnsucht der Menschen, nach Zusammenhalt und den Wunsch pur sein zu dürfen. Leider lassen das nur wenige zu. Da bin ich gerne Vorbild und die Menschen erzählen mir dann auch gern aus ihrem Leben und lassen mich in ihre Seele schauen.


Gibt es etwas, dass du Anderen gerne mitgeben möchtest?

Wir haben alle unsere Erfahrungen und unsere Schicksale, die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Wir sollten alles annehmen und akzeptieren lernen, dass all das zu uns gehört und wir daraus auch Kraft ziehen können, statt das sie uns Energie abziehen. Wer eine schwere Kindheit hatte, hat auch meist ein schweres Erwachsenenleben, weil wir in unserem Inneren immer noch mit unserem Schattenkind leben.

Depressionen, Angst-und Panikattacken, Rückzug sind dann oft die Folge, die unser Leben oft schwer und zäh macht. Wir alle haben aber auch positive Eigenschaften und Talente, die oft vergessen werden. Ich finde es toll, auszuprobieren, was noch alles in mir steckt und lebe mein Sonnenkind aus, in dem ich die Dinge mache, die Freude in mein Leben bringen. Ich nehme dabei mein Schattenkind immer liebevoll an die Hand, denn auch das will gesehen werden.  Ein langer Prozess mit vielen Rückschlägen, aber der Weg ist das Ziel.


Ein Zitat von meinem Lieblingsphilosophen schenke ich Euch:

„Geschriebene Worte sind wie Vögel, die nicht mehr fliegen können. Aber sie können imstande sein, Menschen Flügel wachsen zu lassen.“

Ernst Ferstl



Über

 (c) Sylvia Reppel ist Sängerin.


Mehr über sie erfährst Du unter:


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