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Schreiben bedeutet einen Anker zu finden. Schreiberfahrungen.

#Schreiberfahrungen – Schreiben bedeutet einen Anker finden

15Aug2021
Domenic schreibt in unterschiedichen Genres und leidet unter Depressionen. Im Schreiben hat er einen Anker gefunden.

Schreib darüber - ein Interview #12 mit Domenic Blair über seine Schreiberfahrungen



Drei Worte, die dich am Besten beschreiben:

ungeduldig, loyal, introvertiert.


Schreiben bedeutet für mich ...

Schreiben bedeutet Leben. Ohne das Schreiben könnte ich nicht leben. Es würde mir essenziell etwas fehlen. Es ist Therapie und das Erkunden fremder Welten gleichauf. Schreiben lenkt mich vom Alltag ab, der mich manchmal zu erdrücken scheint. Schreiben hat mir in meiner schlimmsten Zeit der Depressionen geholfen; sodass es mir möglich war, auch ohne Medikamente diese schwere Zeit zu überstehen.


Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich schon als Kind. Ich habe mit zehn Jahren angefangen. Damals waren es noch Geschichten über einen Jungen und sein Pferd. Diese schrieb ich in Schulhefte nieder; solange bis ich irgendwann auf der Schreibmaschine meiner Mutter zu schreiben begann.

In der Schule das Zehnfingersystem lernte und mir dann von meinem Praktikumsgeld eine elektronische Maschine kaufte. Ab diesem Zeitpunkt schrieb ich fast jeden Tag; teils am späten Abend vor dem Zubettgehen. Dann, in der Zeit meiner Lehre, wurde die Schreiberei etwas weniger. 2003, nach einem schweren Schicksalsschlag im Freundeskreis, wandte ich mich erneut der Schreiberei zu. Konnte mich aber nicht lange dafür begeistern, da sich in meinem Leben etwas verändert hatte, was ich nicht wirklich erklären konnte. (Waren wohl mitunter die ersten Vorboten der Depression) es dauerte weitere zwei Jahre, bis ich wieder anfing.

Und seitdem schreibe ich jeden Tag (Ausnahmen bestätigen die Regel).


Mit was für Problemen kämpfst du/hast du gekämpft und (wie) hilft dir Schreiben dabei?

Ich leide seit vielen Jahren an Depressionen. Wann sie genau entstanden sind, kann ich gar nicht sagen. Wahrscheinlich schon vor über 27 Jahren.

In Therapie bin ich seit 2008. Ich habe über ein Jahr gebraucht, um überhaupt einzusehen, dass ich Hilfe brauche. In der Zeit vor der Therapie waren es meine Texte und meine Familie, die mich weitermachen lassen haben. Ich habe oft an meinem Leben gezweifelt, mir Gedanken gemacht, wie das Leben weitergehen soll.

Durch die Schreiberei habe ich einen Anker gefunden; sie sorgte dafür, dass das Schiff nicht unterging und ich immer mehr Ideen entwickelte. Wenn ich schreibe, dann tauche ich in andere Welten ab, erschaffe ich Persönlichkeiten, die allesamt Kämpfer sind. Die niemals aufgeben, egal was ihnen auch über den Weg läuft. Meine erschaffenen Welten, ob: Fantasiegeschichten, Dramen oder Psychos, brachten mich dazu, mehr an mich zu glauben, mehr aus mir herauszuholen.

Es war wie ein Prozess, den man durchläuft; meine Protagonisten, meine Welten entwickelten sich und somit auch ich. Verspürte mein Held Trauer, so verspürte auch ich diese Trauer; ich muss dazu sagen, dass ich sehr empathisch und hochsensibel bin. Zu meinen Depressionen leide ich seit einem Trauma aus der Kindheit (Ich habe mit 14 Jahren meine Mutter verloren) an einer leichten Rechtschreibschwäche. Ich habe vieles aus dem Unterricht vergessen; sehr viel aus dem Deutsch und Matheunterricht. Demzufolge musste ich mir, was die Rechtschreibung angeht, vieles wieder neu beibringen. Und obwohl ich einiges wieder neu gelernt habe, schleichen sich hin und wieder noch ein paar Fehlerchen ein.

Durch das stetige Schreiben in den letzten Jahren konnte ich dieses Defizit gut in den Griff bekommen. 


Wie nutzt du das Schreiben am Liebsten? / Was schreibst du?

Ich schreibe hauptsächlich am Laptop, manchmal, wenn ich Ideen habe, aber der Laptop bereits aus ist, dann schreibe ich auch auf Papier, um es dann am nächsten Tag abzutippen.

Ich schreibe in verschiedenen Genres: Drama, Thriller, Psycho, Fantasie, Science-Fiction und mittlerweile habe ich sogar eine Geschichte, die im Westernbereich anzutreffen ist. Meine Figuren sind hauptsächlich schwul, was ich aber nirgendwo extra deklariere, weil ich das nicht als wichtig erachte.

Neben den Romanen schreibe ich auch noch lyrische Texte und Kurzgeschichten. 


Was ist das Schwierigste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Meine Rechtschreibschwäche macht es mir manchmal schon noch schwer. Besonders dann, wenn ich kurz vor einer Buchveröffentlichung stehe. Da ich Korrektorat, Lektorat, Coverdesign, Buchsatz ect alles selber mache, benötige ich extrem viel Zeit bei meinen Büchern. Die ich mir aber auch nehme, indem ich die Texte mehrfach überarbeite und durchgehe bzw. sogar vorlesen lasse.


Was ist das Schönste / Bereichernste beim Schreiben / im kreativen Prozess für dich?

Zu lesen, dass meine Geschichten anderen gefallen. Dass ich sie mit meinen Texten mitreißen kann. Rezensionen zu meinem bereits veröffentlichten Buch zu lesen, welches ich gerade für Menschen mit Depressionen geschrieben habe. Ein Lyrikbuch, in dem ich den Menschen Kraft geben will. Sie ermutigen will, weiterzumachen. Das sind so Momente, wo ich mir selber auf die Schulter klopfe und sage: Gut, dass du die Schreiberei nie aufgegeben hast.


Gibt es Hobbys und Dinge, die du tust, wenn du nicht schreibst?

Oh ja, ich liebe das Fotografieren. Ich gehe mit meinem Mann gerne spazieren. Fahre Rad oder mache anderweitigen Sport wie Joggen und Rudern, (auch wenn ich dies im Moment aus gesundheitlichen Gründen seltener mache). Ich lese sehr gerne, höre Musik (meistens beim Schreiben), ich liebe gute Filme und bin ein totaler Hawaii Five O und The Walking Dead FAN. Außerdem liebe ich gutes Essen.


Was treibt dich an?

Ich will jetzt nicht übertreiben, aber seit diesem Jahr ist es das Motto der Navy Seals: Der Einzige leichte Tag war gestern! Soll heißen: Es gibt immer einen Tag, der noch schwieriger ist, der noch mehr von einem fordert. Man aber dennoch weitermacht und nicht aufgibt.

Ansonsten natürlich meine Familie und mein eiserner Wille.

Da ich nicht nur Depressionen habe, sondern auch körperliche Beschwerden, sehe ich mittlerweile jeden Tag wie ein Kampf an. Einen Kampf, den ich aber am Ende des Tages immer gewinne.


Gibt es etwas, dass du Anderen gerne mitgeben möchtest?

Es ist wichtig, offen für alles zu sein. Man sollte niemals seine Augen verschließen und niemanden aufgrund von Fehlern, Krankheiten oder anderweitigen Dingen verurteilen. Jeder Mensch ist einzigartig, und so sollte er auch behandelt werden.


Ein Zitat aus meinem Lyrikband Schwarze Tränen-Seelensplitter lautet:

Menschen sind wie Blätter, vielfältig und bunt. Wir bestehen aus vielen bunten Blättern. Die, wenn wir zusammenwachsen, einen Baum ergeben.




Über

 (c)   Domenic Blair ist Autor.


Mehr über Domenic und seine Bücher:


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