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Psyche und Selbstwert Warum du wertvoll bist Reminder

Psyche und Selbstwert: Warum Du wertvoll bist

27Aug2021

Ungeschönt und echt – genau so will ich mich hier zeigen. Mit all meinen Gefühlen und Gedanken. Mit meinen Schwächen und Stärken. Mit meiner Vergangenheit.

Ich schreibe über psychische Krankheit. Über Selbstmordversuche und Depressionen, über Traumata und Ängste. Ich schreibe darüber, wie heilsam (kreatives) Schreiben sein kann und wie es mir geholfen hat, mir selbst helfen zu lernen.

Und ich dachte, dass das reicht.

Ich dachte, wenn ich offen mit all dem umgehe, hier auf diesem Blog, dann habe ich es verstanden.

Weil ich ja jetzt weiß, wer ich bin. Weil ich spüren kann, dass diese schlimme Phase die ich durchlebt habe, nicht meinen Wert schmälert.

Und dann ertappe ich mich plötzlich doch.

Beim Vergleichen. Beim Abwägen. Bei diesem Gedanken, niemals so wertvoll oder gut oder was-auch-immer sein zu können wie andere.

Ich ertappe mich dabei, wie ich diesen riesigen Batzen meines Lebens herauslöse, ihn zwar hier thematisiere, doch als Autorin alles andere als offen damit umgehe. Wie ich totschweige, dass ich einmal psychisch krank war, um ja… um was?

Nicht anzuecken.
Mögliche Leser nicht zu verschrecken.
Niemanden dazu zu bringen, womöglich die falschen Parallelen zwischen mir und meinen Geschichten zu ziehen.

Ich löse all meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Baustellen heraus und rede mir auch noch ein, dass es besser so ist. Weil es ja keine Rolle spielt. Weil es ja nichts mit meinen Pseudonym, meinem Leben als Autorin oder meinen Romanen zu tun hat.

Und dann realisiere ich, dass das eine Lüge. Eine, die ich mir schon erzähle, seit vor sechs Jahren mein erstes Buch erschienen ist.

Weil das Perfide an Scham ist, dass er nicht immer als dieses lähmende, alles einnehmende Gefühl daherkommt, dass uns so vertraut ist.

Manchmal versteckt er sich.

Er versteckt sich hinter anderen Gefühlen, macht es sich bequem hinter den Lügen und Halbwahrheiten, die wir uns selbst erzählen. Doch prägen und beeinflussen tut er uns trotzdem. Oder vielleicht auch gerade deshalb.

Dann, wenn wir Angst haben wir selbst zu sein.

Wenn wir in dem einen Moment zu uns stehen und uns im nächsten selbstverleugnen. Je nachdem, wer da gerade vor uns steht. Ob er seelische Krankheit kennt oder jemand ist, der nicht mal ahnt, in welche Tiefen sie uns ziehen kann.

Wie bei mir.

Aber weißt du was?

Niemand sollte sich dafür schämen müssen.

Weil psychische Krankheit kein Ausschlusskriterium ist.

Weil es nicht unseren Wert mindert.

Nicht deinen und auch nicht meinen.

Selbstwert – ein wichtiger Reminder.

Du bist wertvoll, auch wenn du nicht arbeiten gehst oder kaum etwas verdienst.

Du bist wertvoll, auch wenn ein paar abgebrochene Ausbildungen deinen Lebenslauf zieren.

Du bist nicht weniger wert, nur weil du täglich mit dir selbst kämpfst.

Du bist nicht weniger wert, nur weil das Leben dich gezeichnet hat.

Du bist wertvoll, auch wenn du Narben hast oder aus Angst das Haus nicht verlässt.

Du bist wertvoll, auch wenn deine Sorgen dich immer wieder in die Knie zwingen.

Du bist nicht weniger wert, nur weil du du bist und eine eigene Geschichte hast.

Und du musst nicht schweigen, nur weil Leute sich nicht gerne damit auseinandersetzen, dass es psychische Krankheit gibt. Du musst dich nicht verstecken oder ducken oder dich selbst kleinmachen, nur weil diese dunkle Täler dein Leben geprägt haben.

Du darfst darüber reden. Und schreiben. Du darfst dich zeigen – mit allem, was du mitbringst und so, wie du bist. Mit Stärken und Schwächen, mit Baustellen und Hürden, mit deinen Eigenheiten und Besonderheiten.

Lass dir nicht einreden, dass deine Erfahrungen, deine Meinung oder du deshalb nicht zählst.

Denn das ist eine Lüge.

Nichts – überhaupt gar nichts – schmälert deinen Wert oder macht dich zu einem weniger wertvollen Teil dieser Gesellschaft.

Du bist weder unwichtig noch unbedeutend, nur weil du bist, wer du bist.

Im Gegenteil.

Eine kranke, verwundete Seele zu haben ist harte Arbeit. Es ist ein unbezahlter 24 Stunden Job, für den du Tag für Tag draufzahlen musst.

Du zahlst mit deiner Lebensfreude. Deinen Träumen. Deiner Kraft. Deiner Zeit. Mit all den großen und kleinen Dingen, die für andere selbstverständlich sind.

Weil du kämpfst. Tag für Tag und immer wieder.

Im Inneren gegen Symptome, Gefühle und Gedanken. Im Außen gegen Anfeindungen und Unverständnis einer Welt, die uns durch ihre immer-perfekten-Fassade einredet, dass wir nicht gut sind, wie wir sind.

Doch das ist gelogen.

Du bist hier.

Besonders und einzigartig.

Gerade weil du bist, wer du bist.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Mein erster Gedanke als ich fertig war deinen Beitrag durchzulesen war: “Das saß”. Mit so viel Überzeugung wie du deine Worte verwendest hat mich berührt. Ich konnte nichts dagegen tun, die Tränen sie flossen einfach…

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