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Mit dem Schreiben anfangen, wie eigentlich?

Mit dem Schreiben anfangen: Wie genau?

Nicht immer ist es das Schreiben selbst, das uns schwerfällt – manchmal ist es der Anfang.

Die erste Berührung mit einer leeren Seite.

Dieser Moment, in dem wir spüren, dass da etwas in uns ist, das Worte finden möchte, ohne dass wir auch nur einen einzigen Satz greifen können.

In Nachgefragt widme ich mich diesmal Rebekkas Frage.

Ich spreche darüber, warum das Anfangen manchmal so schwierig ist und was in Wahrheit dahintersteckt.

Und ich gebe ein paar Tipps und Ideen, die helfen, um den Zugang zu deinen Worten zu finden. 

Leserfrage:

Ich würde so gern mit dem kreativen Schreiben anfangen, also wirklich anfangen. Etwas auf Papier bringen, das sich nach mir anfühlt. Aber jedes Mal, wenn ich mich zum Schreiben hinsetze, weiß ich nicht, wo ich anfangen soll. Mein Kopf ist entweder leer oder so durcheinander, dass ich keinen Zugang zu meinen Worten finde. Ich sehe andere schreiben und frage mich, warum es bei mir nicht einfach fließen kann.


Hast du eine Idee, wie ich einen Anfang finden kann? Und wie ich herausfinde, was ich überhaupt schreiben möchte?

Rebekka

Meine Antwort:

Für viele Menschen ist der Anfang oft der schwierigste Schritt beim Schreiben.

Aber das nicht, weil sie untalentiert wären oder ihnen die Kreativität fehlt.

Oft denken wir, wir wären einfach nicht kreativ genug. Oder dass wir erst eine brillante Idee bräuchten, bevor wir überhaupt anfangen dürfen.

Aber das ist Quatsch.

Die Wahrheit ist: Fast jeder findet den Anfang schwer.

Jedes Mal, wenn ich ein neues Buch beginne, ist es der Anfang der Geschichte, der mich unsicher macht und sich fremd anfühlt.

Tage- manchmal wochenlang schreibe ich ihn immer wieder. Ich grübel, ich starre auf den Cursor oder das leere, weiße Blatt.

Ich lösche Sätze. Beginne neu. Verwerfe und zweifel wieder.

Deshalb verstehe ich diesen Frust, den du empfindest, auch sehr gut.

Und deshalb kann ich dir sagen: Du machst weder etwas falsch noch ist mit dir ist irgendetwas verkehrt. 

Die Sache ist, das kreatives Schreiben Mut braucht. Den Mut, sich zu öffnen. Und den Mut, sich selbst zu begegnen.

1. Finde deinen ersten Faden, statt die perfekte Idee

Schreiben ist kein gradliniger Weg von A nach B.

Oft ist es eher ein Lauschen.

Ein leises Herantasten.

Wenn du also noch nicht weißt, worüber du schreiben möchtest, ist das gar nicht schlimm.

Sieh diese Tasache nicht als Hindernis, sondern als Startpunkt. Also als den Punkt, an dem du eben anfängst.

Hör auf dich zu fragen "Was soll ich nur schreiben?" und dir darüber den Kopf zu zerbrechen.

Frag dich lieber:

Was bewegt mich gerade?

Was fühlt sich schwer an oder leicht?

Was möchte ich gerne aussprechen?

Und schreib genau darüber.

Schreib über das Hindernis im Kopf, brainstorme auf dem Papier, probier dich aus - z.b. auch mit kreativen Schreibimpulsen.

Manchmal liegt ein Thema nämlich gar nicht hinter einer riesigen, neuen Idee, sondern viel mehr in einem winzigen Gefühl oder einem Detail, dass gesehen und erforscht werden will.

2. Gib dir selbst die Erlaubnis zum Schreiben

Oft blockieren wir, weil wir glauben, direkt gut schreiben zu müssen. Aber zu Beginn geht es überhaupt nicht darum, perfekt zu schreiben oder darum, dass das, was wir zu Papier bringen irgendeinen Sinn ergibt oder große Begeisterung bei anderen auslöst.

Es braucht etwas ganz anderes.

Nämlich die Erlaubnis, hässlich zu schreiben.

Bruchstückhaft.

Chaotisch.

Stolpernd.

Manchmal hilft es, mit etwas zu starten, wie ...

Einen schlechten Text kann man verbessern, weißt du? Einen Text, der gar nicht erst entsteht, nicht.

Die Erinnerung daran hat mich schon das ein ums andere Mal aus kleinen Schreibblockaden geholt. Und mir bewusst gemacht, dass kein Text zu Beginn des Schreibens perfekt ist, ja, dass er das auch nicht MUSS.

Funfact aus dem Leben einer Autorin:  Meine Romane erhalten nach der Rohfassung so viele Überarbeitungen, dass ich sie nicht einmal zählen kann. Erst von mir, dann noch von vielen, fremden Händen.

3. Schreib trotz des inneren Kritikers

Wenn es ums Schreiben geht kann unser innerer Kritiker ziemlich laut werden.

Er kann versuchen uns einzureden, dass unsere Worte nicht gut genug sind oder unsere Idee, ja, manchmal sogar wir.

Aber wie bereits erwähnt: Beim Schreiben geht es niemals um Perfektion. Es geht darum, echt zu sein.

Deshalb lass deine Sätze unvollständig.

Lass sie rau und holprig sein.

Später kannst du immer noch sortieren, löschen, neu schreiben.

Zu allererst geht es darum: Anzufangen.


Ein Tipp: Manchmal hilft es, den Ort zu wechseln. Schreib zum Beispiel nicht am Schreibtisch, sondern im Bett. Oder nutze ein Notizbuch oder lose Blätter, statt direkt in dein Schreibprogramm zu tippen. Das schafft eine andere Atmosphäre und nimmt den Druck raus.

4. Ein paar hilfreiche Einstiege, mit denen du ins Schreiben finden kannst

Hier sind ein paar Schreibanfänge, die dabei helfen können, die Angst vor dem Schreiben zu verlieren oder den Knoten im Kopf zu lösen.

Schreib sie aufs Papier und dann schreib oder tipp los:

  • Was gerade in mir Raum braucht ...
  • Über was ich in letzter Zeit ständig nachdenken muss, ist ...
  • Etwas, das ich ...

Tipp: Nutze zum Schreiben einen weißen Stift auf weißem Papier oder mach die Farbe im Schreibprogramm weiß. Sodass du nicht siehst, was du schreibst, und einfach tippst. Das kann helfen den inneren Perfektionisten in dir auszutricken und dafür sorgen, dass du freier formulierst, ohne direkt zu bewerten.

5. Wichtig: Erlaub dir, klein anzufangen

Vielleicht schreibst du nur drei Sätze.

Vielleicht auch nur ein Wort.

Das ist ganz egal, denn: Alles ist richtig.

Es gibt keinen falschen Anfang. Und auch kein Mindestmaß an Kreativität, die du erfüllen musst.

Es gibt nur diesen einen Moment, in dem du dich für das Schreiben entscheidest, trotz allem.

Deine Anina

Du hast ebenfalls eine Frage, von der dir die wünschst, dass ich sie beantworte?

Schick sie mir gern über dieses Formular oder schreib eine Mail an kontakt@seelenschreiberei.org.

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