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Frau schaut über die Schulter. Lange blonde Haare. Artikel: Kreatives Schreiben für die eigene mentale Gesundheit nutzen.

Mentale Gesundheit: 5 Wege, kreatives Schreiben für dich zu nutzen

Als Autorin ist kreatives Schreiben für mich so viel mehr als das Erfinden von Geschichten.

Es ist ein Werkzeug, dass uns dabei helfen kann, Unsagbares auszudrücken und uns selbst sichtbar zu machen.

Denn auf Papier können wir durchspielen, was im realen Leben unmöglich erscheint und unsere eigenen Reaktionen und Gefühle besser verstehen lernen.

Wir können zu genau dem Menschen werden, der wir sein wollen oder uns erlauben, Dinge zu fühlen, die wir ansonsten unterdrücken würden.

Denn kreatives Schreiben erlaubt uns alles.

Es ist ein sicherer Raum, in dem wir unsere Ängste, Hoffnungen und Träume verwandeln können.

Ein Ort, an dem wir traumatische Erfahrungen verarbeiten, ungelöste Konflikte aufarbeiten oder längst vergessene Wünsche neu entdecken können.

Schreibend können wir experimentieren, scheitern, mutig sein und uns und unser Leben betrachten – ohne Urteil oder Druck, mit nicht mehr als Stift und Papier.

Es ist etwas, das ich liebe und regelmäßig tue.

Und in diesem Artikel zeige ich dir 5 Wege, wie auch du das kreative Schreiben nutzen kannst, um einen (besseren) Umgang mit Konflikten zu finden oder dich mit deinen eigenen Gefühlen zu verbinden.

Während wir in einem Journal offen aussprechen, was uns quält, bietet uns kreatives Schreiben die Chance, unsere innere Welt aus einer sicheren Distanz heraus zu entdecken.

Wir können unsere Wut, unsere Angst oder unsere Trauer nehmen und den Figuren auf dem Papier erlauben, sie an unserer Stelle zu durchleben.

Beim kreativen Schreiben können wir in unterschiedliche Rollen schlüpfen, die Perspektive wechseln oder die Kontrolle über Situationen übernehmen, die uns im echten Leben längst entglitten sind.

Wir können mutig sein, obwohl wir uns gerade klein fühlen, über uns hinauswachsen, während wir uns gefangen fühlen oder Entscheidungen treffen, obwohl wir nicht sicher sind, ob sie richtig für uns sind.

Denn in Geschichten lassen sich unsere innersten Wahrheiten verstecken – das, was wir nicht direkt aussprechen können oder wollen; das, was uns quält oder fasziniert; das, was wir tief in uns vergraben haben, weil es zu schmerzhaft ist, um es im Alltag zu zeigen.

Beim kreativen Schreiben erschaffen wir nicht nur eine Welt, sondern auch die Möglichkeit, uns selbst auf neue Weise zu begegnen.

Fiction: 5 Wege, wie du kreatives Schreiben für deine mentale Gesundheit nutzen kannst

1. Spiegel deine eigenen Erfahrungen

So gehts: Nimm ein Erlebnis aus deinem Leben und erschaffe eine Figur, die genau das erlebt.

Wichtig: Du musst nichts wörtlich übernehmen oder Namen und andere Details eins zu eins nutzen, denn: Die Figur ist nicht du. Sie dient nur als Stellvertreter für deine Emotionen und Erlebnisse.

Verändere einfach so viele Details, bis du dich beim Schreiben wohlfühlst. Denn das ist es, worum es letztendlich geht.

Beispiel: Lars kämpft mit dem Verlust seiner großen Liebe, über den er einfach nicht hinwegkommt. Auf dem Papier erfindet er eine Figur, die ebenfalls jemanden verloren hat, doch in der Geschichte beginnt, Briefe an den Verstorbenen zu schreiben, auch wenn sie nie abgeschickt werden.

Durch diesen Prozess kann Lars ausdrücken, was er selbst im realen Leben noch nicht sagen kann, schafft einen Ort für seine Trauer und verarbeitet ein Stück seines eigenen Schmerzes.

Tipp:

Schreibe die Szene in drei Schritten:

1. Was ist passiert? Beschreibe die Situation neutral, wie ein Zeuge/eine Zeugin.

2. Was und wie fühlt die Figur? Notiere Gedanken und Körperempfindungen.

3. Wie handelt die Figur? Was tut sie, wie handelt sie, was lässt sie bleiben?

Halte die kleinen Details fest. Mimik, Gestik und körperliche Reaktionen spiegeln nämlich oft mehr von unseren Emotionen wider, als uns bewusst ist.

2. Externalisiere deine Gefühle

So gehts: Schreibe eine Szene, in der deine Angst, deine Traurigkeit oder deine Wut zu einer fiktiven Figur werden.

Gib diesem Gefühl einen Namen und eine Gestalt und dann lass sie agieren.

Lass sie sich durch Situationen navigieren, die für dich schwierig sind und experimentiere.

Lass die Figur scheitern, triumphieren, sich verstecken oder kämpfen. Spiele mit Übertreibungen, bis sie genau die Eigenschaften hat, die deine Gefühle verkörpern.

Beispiel: Anna erschafft Dea: Ihre Wut. Dea ist wild, ungezähmt und impulsiv. In ihren Texten lässt Anna sie durch das Zimmer toben, Gegenstände werfen und alles sagen, was ihr in den Sinn kommt. Im Gegensatz zu Anna hält Dea sich niemals zurück, sondern folgt jedem Impuls und testet ihre Grenzen.

Mithilfe von Dea erkennt Anna nicht nur, wie sehr ihre Wut sie normalerweise gefangen hält, sondern auch, wo sie sie unterdrückt und wie viel Energie ihr genau das raubt.


Indem du herausfordernde oder schmerzhafte Gefühle aus dir herauslöst und sie in dieser Form zu Papier bringst, gewinnst du nicht nur Abstand und Klarheit, sondern schenkst ihnen ein Ventil.

Du kannst Gefühle zulassen und sie beobachten, ohne dich innerlich von ihnen überwältigen zu lassen.

Tipp:

Schreibe verschiedene kurze Szenen, in denen deine Gefühls-Figur konkrete Herausforderungen deines Alltages meistert.

Beobachte, wie sie auf Hindernisse reagiert und welche Strategien sie nutzt, um mit ihnen umzugehen.

3. Wechsle die Perspektive

So gehts: Schreibe ein Erlebnis aus der Sicht einer anderen Person oder einer erfundenen Figur.

Stell dir vor, du würdest deine Situation von außen betrachten, z.b. aus den Augen eines Beobachters, eines Freundes oder auch eines Tieres.

Erzähl von der Situation.

Und beschreibe die Emotionen, Reaktionen und Gedanken aus dieser neuen Sicht.

Beispiel: Theresa hatte einen Streit mit ihrer besten Freundin, der sie ohnmächtig zurückgelassen hat. Sie schreibt eine Kurzgeschichte über einen ähnlichen Streit  - allerdings aus der Sicht einer Katze, die das ganze beobachtet. Schreibend hält sie fest, wie der Streit entstanden ist, wie er erlebt wurde und was eigentlich hinter ihm steckt.

Durch das Hineinfühlen und Durchspielen gelingt es ihr Stück für Stück, beide Perspektiven zu erforschen und ausreichend Abstand zu gewinnen, um mir ihrer Freundin den Streit zu klären.


Schreibend die Perspektive zu wechseln schafft nicht nur eine wertvolle Distanz zu unseren eigenen, zu intensiven Gefühlen, sondern fördert unser Mitgefühl.

Außerdem unterstützt es dabei, verschiedene Möglichkeiten zu erforschen, um auf Ereignisse zu reagieren und so Lösungen zu entdecken.

Tipp: 

Schreibe das, was passiert ist, zuerst aus deiner Sicht, dann aus der Sicht einer neutralen Figur.

Notiere, wie unterschiedlich die Wahrnehmung ausfällt und welche neuen Einsichten du über dich selbst gewinnst.

4. Versuche es mit einem alternativen Ende

So gehts: Nimm ein belastendes Ereignis und schenk ihm ein alternatives Ende.

Erschaffe dafür z.b. neue Szenarien, die Mut machen, neue Wege aufzeigen oder Handlungsspielräume erweitern.

Wenn du magst, baue zusätzliche Figuren ein, die Entscheidungen erleichtern, Unterstützung schenken oder etwas anderes an der Situation verändern.

Beispiel: Anja kämpft mit einem Konflikt auf der Arbeit, der sie wahnsinnig frustriert. Schreibend lässt sie ihre Figur in einer ähnlichen Situation den Mut finden, ihre Meinung konstruktiv zu äußern, während sie sich in der Realität nicht traut, den Mund aufzumachen.

In einem weiteren alternativen Ende verbündet sie sich mit Kollegen, der dabei hilft, die Missverständnisse konstruktiv zu klären.

Tipp: 

Schreibe das Ereignis zuallererst genau so auf, wie es passiert ist. Im Anschluss halte mindestens drei unterschiedliche, alternative Enden fest:

  • Eines, in dem du mutig handelst
  • Eines, in dem du eine kreative Lösung findest
  • Eines, das völlig überraschend oder sogar ein wenig verrückt klingt

Beobachte beim Schreiben, wie die unterschiedlichen alternativen Enden dich emotional entlasten, welche neue Ideen oder Lösungen auftauchen oder auch, wie sich deine Sicht auf die Situation dadurch verändert.

Das (und vieles mehr) ist möglich.

5. Lass die Figur für dich handeln

So gehts: Du bist gerade unsicher, wie du dich fühlen oder was du tun sollst? Dann lass die Figur an deiner Stelle fühlen, denken und handeln.

Beispiel: Daniela weiß nicht, ob sie den Job, der ihr angeboten wurde, tatsächlich annehmen soll. Mithilfe ihrer Figur namens Betty testet sie verschiedene Szenarien aus, schreibt eine Pro-und-Kontra-Liste und kommt in Kontakt mit ihren wahren Zweifeln, Ängsten und Hoffnungen.


Durch die Augen eines Anderen auf unsere eigenen, (inneren) Konflikte zu blicken, schenkt nicht nur Abstand, sondern oft auch überraschende Einsichten.

Tipp: 

Formuliere drei Fragen, die dich gerade nicht loslassen. Schreibe im Anschluss aus Sicht einer Figur mögliche Handlungen, Gedanken oder Lösungsstrategien nieder, um sie auszutesten. 

Lass die Figur alles ausprobiert, womit du selbst unsicher bist.

Geschichten sind ein Schlüssel zu uns selbst

Die Distanz, die kreatives Schreiben bietet, erlaubt es uns, offener und ehrlicher zu sein, als es in einem Journal für viele möglich ist.

Nicht, weil wir nicht ehrlich sein wollen, sondern weil die direkte Konfrontation mit unseren Gefühlen im oft zu nah, zu schmerzhaft oder zu gefährlich erscheint.

Doch zwischen den Zeilen einer Geschichte sind wir nicht wir selbst und können so mutiger sein, klarer kommunizieren und uns selbst entdecken.

Geschichten lehren uns, dass es niemals nur einen Weg gibt, eine Situation zu meistern.

Mehr noch: Sie zeigen uns, dass wir die Perspektive wechseln können; dass wir wählen können, wie wir auf Herausforderungen reagieren und auch, dass es möglich ist, die Kontrolle über unsere eigene Lebensgeschichte zurückzugewinnen.

Für mich ist kreatives Schreiben deshalb auch ein wertvolles Werkzeug für Selbstentdeckung, Heilung und inneres Wachstum.

Denn beim Schreiben von Geschichten finden wir nicht nur Worte.

Wir finden uns selbst.

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