Skip to content
Person hält Tasse Tee, umgeben von Herbstblättern und Croissant, symbolisiert innere Ruhe. Gefühl von innerer Ruhe.

Warum fühlen wir mehr, wenn wir zur Ruhe kommen?

Gehörst du auch zu den Menschen, die Angst davor haben, wenn es still wird?


Die unruhig werden und automatisch nach dem Handy greifen, den Fernseher einschalten oder anfangen aufzuräumen– nur damit bloß kein Leerlauf entsteht? Keine Ruhe, keine Stille?

Dabei ist es ja in Wahrheit nicht einmal die äußere Stille, die wir fürchten.

Es ist die in unserem Innern.

Denn sobald der Kalender leerer wird, wir das Handy beiseite legen oder keine Menschen mehr um uns herum haben, geschieht etwas Merkwürdiges: Alles wird lauter.

Plötzlich tauchen Gefühle auf.

Gedanken beginnen zu kreisen.

Unser Körper meldet sich zu Wort.

Und unliebsame Erinnerungen klopfen an.

Plötzlich fühlen wir mehr.

Mehr Traurigkeit.

Mehr Unruhe.

Mehr Sehnsucht.

Mehr Müdigkeit.

Warum das so ist und wie du mit diesen Momenten umgehen kannst, das verrate ich dir in diesem Artikel.

Ablenkung ist einer der gesellschaftlich akzeptiertesten Formen der Emotionsregulation.

Etwas, dass fast jeder von uns auf die ein oder andere Weise nutzt.

Um Gefühle wegzuschieben.

Gedanken im Zaum zu halten.

Und Abstand zu schmerzhaften Erinnerungen zu schaffen.

Solange wir beschäftigt sind, müssen wir nichts fühlen.

Solange wir produktiv sind und funktionieren, müssen wir nicht denken.

Wir müssen uns nicht mit unliebsamen Erinnerungen auseinandersetzen. Nicht mit unseren Sorgen. Nicht mit dem, was uns quält.

Warum?

Weil Geschwindigkeit wie eine Art Betäubungsmittel wirkt: Sie erzeugt Abstand.

Baut eine Art Schutzwall zwischen uns und unsere Emotionen.

So trennt sie uns von unserem Körper ab.

Und damit von dem, was wirklich da ist.

Gefühle werden nicht stärker, nur zugänglich

Die Wahrheit ist: Unangenehme und intensive Gefühle entstehen nicht erst, wenn alles still wird.

Gedankenspiralen werden nicht nicht erst losgetreten, wenn wir zur Ruhe kommen.

Sie sind bereits da.

Der einzige Unterschied ist, dass sie während des Beschäftigtseins unter der Oberfläche verweilen.

Unliebsame Gedanken und Gefühle sind wie Geräusche in einem Raum, in dem es zu laut ist, um sie wahrzunehmen.

Das heißt, erst, wenn die Lautstärke reduziert wird, hören wir sie wieder.

Und zwar nicht, weil sie urplötzlich auftauchen, sondern weil wir sie eben erst dann wirklich wahrnehmen.

Deshalb ist Ruhe auch kein Verstärker, sondern viel mehr eine Art Filter.

Sie entfernt die Geräuschkulisse des Außen und macht hörbar, was innen schon lange zu dir spricht.

Nicht die Stille erzeugt also unangenehme Gedanken und Gefühle, sie legt sie nur frei.

Ruhe und Stille machen uns oft Angst

Ruhe und Stille konfrontieren uns.

Nicht mit Neuem, sondern mit dem, was wir nicht ansehen wollen.

Wir tragen so unendlich viele Gefühle in uns, die im Alltag schlicht keinen Platz finden.

Da ist Trauer, die nie betrauert wurde.

Wut, die keinen Ausdruck fand.

Sehnsucht, die unbequem war.

Erschöpfung, die nie sein dufte.

Und jedes Mal dann, wenn die Ablenkung im Außen nachlässt, melden sich diese Gefühle in uns zu Wort.

Sie suchen einen Raum.

Das Problem ist nur: Viele von uns haben nie wirklich gelernt, ihnen zu begegnen.

Logisch: Sie machen uns Angst.

Sie fühlen sich zu stark an, zu intensiv, zu überwältigend.

Und weil wir keine Ahnung haben, wie wir mit ihnen umgehen sollen, tun wir das, was immer hilft: Uns wieder ablenken.

Also greifen wir erneut zum Handy und Doomscrollen durch Social Media.

Wir schalten die Musik ein.

Telefonieren.

Hauptsache eben, der Raum wird so laut, dass wir nichts anderes mehr wahrnehmen können.

Schreiben: Ein Weg, zur Ruhe zu kommen, ohne überflutet zu werden

Das Problem ist nur: Irgendwann müssen wir zur Ruhe kommen, ob wir wollen oder nicht.

Irgendwann zwingt uns das Leben oder unser eigener Körper dazu, ruhiger zu werden.

Und deshalb brauchen wir einen Ort, an dem unsere Gefühle und Gedanken landen können.

Einen Raum, der nicht verlangt und an dem wir doch sicher sind.

Schreiben kann genau dieser Raum sein.

Weil beim Schreiben Gefühle existieren dürfen, ohne das wir sie wegschieben oder verdrängen müssen.

Auf dem Papier bekommen sie ein Ventil. Und dadurch überfluten sie uns nicht mehr.

Schreiben verhindert nicht, dass wir Fühlen, im Gegenteil. Es verbindet dich mit deinem Körper und erlaubt dir, wahrzunehmen, was ist.

Ohne das deine Gefühle dich überschwemmen oder du dich in ihnen verlierst.

Schreiben ist ein Ort, an dem du deine Gefühle wirklich benennen kannst.

An dem deine Gedanken eine Form bekommen.

Und an dem du unliebsamen und schmerzhaften Erinnerungen begegnen kannst.

Auf deine Weise.

Und in deinem Tempo.

Denn beim Schreiben bestimmst du, wie tief du gehst.

Und du bestimmst auch, wann du innehältst.

Du kannst lernen Stille auszuhalten

Stille muss nicht beängstigend sein. Und auch nichts, was du auf Teufel komm raus vermeiden musst.

Im Gegenteil.

Stille auszuhalten kann man lernen.

Es ist wie ein Muskel, der wächst, wenn du ihn behutsam trainierst.

Und zwar nicht, indem du ihn und dich überforderst, sondern indem du dich der Stille annäherst.

Schritt für Schritt. Stück für Stück.

Beginne einfach, sie in kleinen, machbaren Schritten, in dein Leben zu holen.

Versuche es mit fünf Minuten am Tag.

Fünf Minuten ohne Handy, TV oder PC.

Fünf Minuten stillstehen oder sitzen, während du deinen Atem beobachtest. Während du wahrnimmst, wie sich dein Brustkorb hebt und senkt.

Fünf Minuten ohne etwas leisten zu müssen. Ohne etwas zu erreichn. Einfach nur da sein.

Fünf Minuten mit einem Stift in der Hand und einem Stück Papier.

Und wenn Gedanken kommen: Lass sie kommen.

Wenn Gefühle kommen: Benenne sie.

Ohne Analysierung, ohne den Versuch, irgendwas zu lösen.

Denk dran: Das muss nicht angenehm sein, im Gegenteil. Am Anfang wird es schwer sein, vermutlich unangenehm. Und vielleicht ist da auch die Tendenz sofort abzubrechen und wieder ins Tun zu kommen.

Aber auch das gehört dazu.

Weißt du warum?

Weil das kein Schalter ist, den wir einfach umlegen.

Stille ist ein Raum, den wir langsam betreten. Und je öfter wir ihn betreten, desto vertrauter fühlt er sich an.

Der Weg zu dir beginnt mit Stille

Manchmal glauben wir, wir müssten unsere Gefühle erst in den Griff bekommen, ehe wir überhaupt zur Ruhe kommen dürfen.

Aber oft ist es genau andersherum: Wir müssen zur Ruhe kommen, um unsere Gefühle in den Griff zu bekommen.

Denn nur wenn es still wird, nehmen wir uns selbst wahr.

Und das, was unsere Gefühle wollen, ist: Gesehen und gefühlt zu werden.

Sie sind eine Einladung.

Dazu, in Kontakt zu kommen.

Mit deinem Körper.

Deinen Bedürfnissen.

Und dir selbst.

Dir hat dieser Artikel gefallen? Dann teile ihn gern, so können auch andere von ihm profitieren.

Comments (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen
Send this to a friend