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Journaling 8 wertvolle Lektionen. Handgeschriebene Tagebuchseite aus einem Journal mit zwei Ringen.

Journaling: 8 wertvolle Lektionen, die ich lernen durfte

13Apr2022

Schon mein halbes Leben schreibe ich Tagebuch. Journaling macht nicht nur Spaß, ist heilsam und hilft mir, schwierige Zeiten zu überstehen.

Nein.

Schreiben hilft mir dabei, zu wachsen.

An und mit mir selbst.

Regelmäßig Tagebuch zu schreiben lehrt mich unglaublich viel.

Von den 8 Lektionen, die ich durch das Schreiben lernen durfte, möchte ich dir deshalb heute erzählen.

Vielleicht macht es dir Mut, selbst zum Stift zu greifen – oder lässt dich erkennen, auf welch wundervollem Weg du dich selbst gerade befindest.

Bereit?

8 wertvolle Lektionen, die mich das Journaling gelehrt hat

 

Lektion 1: Ich habe gelernt, tiefer in mich selbst zu blicken

Beim Schreiben kann ich gar nicht anders, als mit mir selbst in Kontakt zu treten. Denn zu Schreiben, ohne dabei gleichzeitig auch in die Tiefen meiner Seele zu blicken, ist nahezu unmöglich.

Dieser Blick ist oft schmerzhaft, manchmal ziemlich hässlich – und damit auch alles andere als leicht auszuhalten.

Aber gerade die unansehnlichen, dunklen Stellen, brauchen Aufmerksamkeit.

Mehr, als wir ihnen oft zugestehen.

Also stelle ich mich ihnen.

Auf dem Papier habe ich gelernt, zu bleiben. Mitten hineinzusehen in den Schmerz, die alten Glaubenssätze und die Verletzungen der Vergangenheit.

 

Lektion 2: Ich habe gelernt, mich selbst besser zu verstehen

Durch den tieferen Blick in meine Gedanken- und Gefühlswelt verstehe ich mich selbst besser als jemals zuvor.

Beim Schreiben erkenne ich meine eigenen (destruktiven) Muster.

Ich lese zwischen den Zeilen, enttarne Wort um Wort die darunterliegenden Ängste und bin so in der Lage, meine Reaktionen und Handlungsimpulse zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen.

Das Journaling hilft mir dabei, unbewusste Vorgänge sichtbar zu machen.

Und wahrzunehmen, aus welch vermeintlich harmlosen Dingen die größten Kettenreaktionen entstehen, führt dazu, dass ich mich meinem Erleben und Verhalten nicht länger hilflos ausgeliefert fühle.

Es hilft mir, achtsamer und bewusster mit mir selbst umzugehen.

 

 

Lektion 3: Ich habe gelernt, meine wirklichen Wünsche zwischen den Erwartungen anderer zu entdecken

Es anderen recht zu machen war lange mein Überlebensmechanismus.

Ein Mechanismus, der sich durch die meiste Zeit meines Lebens zog und den ich erst in den letzten Jahren durch das Schreiben entschlüsseln konnte.

In meinem Journal nehme ich Erwartungen und Wünsche auseinander, stärke meine Wahrnehmung und schaffe so, was früher undenkbar schien:

Ich trenne die Erwartungen anderer von meinen eigenen und komme mit dem in Kontakt, was darunter liegt: Meine wahren Wünsche und Sehnsüchte.

Mich schreibend mit ihnen auseinanderzusetzen hilft mir, sie nicht nur schneller zu erspüren, sondern auch klarer in dem zu werden, was ich wirklich will und was nicht.

Mein Journal stärkt meine Wahrnehmung und unterstützt mich dabei, mehr auf mich selbst zu schauen und weniger auf andere.

 

Lektion 4: Ich habe gelernt, mich meinem inneren Kritiker entgegenzustellen

Diese alleskritisierende Stimme in unserem Kopf ist mal lauter, mal leiser, doch eines hat sie in jedem von uns gemeinsam: Sie hindert uns am Leben.

Mein innerer Kritiker ist laut, ungestüm und die meiste Zeit meines Lebens hat er alles bestimmt, was ich sage oder tue.

Ihn in Schacht zu halten kam mir immer unmöglich vor – doch das Schreiben hat mir genau dabei geholfen.

Denn während seine Kommentare sonst ungefiltert in meinen Kopf gedrungen sind, alles bewerten haben, kann ich ihm durch das Schreiben endlich die Stirn bieten.

Dort, auf dem Papier, hat er weniger Macht über mich.

Weil ich gelernt habe, seinen kritischen Kommentaren Beachtung zu schenken und sie gleichzeitg auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Nicht alles, was diese Stimme in unserem Kopf sagt, ist tatsächlich wahr. Also müssen wir sie analysieren. Herauszufinden, was sie kritisiert und warum.

Nur so hindert sie uns nicht am Leben.

 

Lektion 5: Ich habe gelernt, bewusst zu fühlen

Intensiven Gefühlen den Raum zuzugestehen, den sie brauchen und verdienen, fällt mir schwer.

Manche Gefühle sind schwer auszuhalten, doch während ich im Alltag oft und gerne wegschiebe, was wegzuschieben geht, begegne ich all dem, sobald ich den Stift aufs Papier drücke.

Beim Schreiben kommen wir so unumstößlich mit unserer Gefühlswelt in Kontakt, dass es uns oft Angst macht.

Doch was schmerzhaft ist und Panik auslöst, ist auch eine Chance.

Nämlich die Chance zu fühlen. Wirklich zu fühlen. Alles, was da ist und alles, was noch kommt.

Ich kann nicht sagen, wie oft ich weinend und schluchzend die Seiten meines Journals gefüllt habe, während all die Gefühle mich überflutet haben.

Aber es ist oft passiert. Und es geschieht noch immer oft.

Weil ich ein Mensch bin, der unglaublich viel und intensiv fühlt. Nicht nur die eigenen Gefühle, sondern auch die von anderen.

In den letzten Jahren habe ich gelernt, mein Tagebuch als Ventil zu benutzen.

Es wurde zu meinem Ankerpunkt, zu dem einen Ort, an dem ich Gefühle zulassen und mich in einem geschützen, privaten Rahmen mit ihnen befassen kann.

Das macht sie aushaltbarer.

Und schenkt ihnen genau das, was ihnen zusteht.

Einen Platz, um zu sein.

 

Lektion 6: Ich habe gelernt, mich meinen Ängsten zu stellen

Auch wenn die Angst schon lange mehr meinen Alltag bestimmt, so ist sie doch noch immer ein stetiger Begleiter meines Lebens.

Ich bin ein Feigling.

Öfter sogar, als ich es zugeben will. Ich drücke mich aus Angst vor (wichtigen) Entscheidungen, und oft genug fürchte ich mich vor meiner eigenen Größe.

Durch das Journaling habe ich gelernt, mich genau dem zu stellen.

Ich nehme meine Ängste auseinander. Wäge ihre Argumente ab, untersuche ihre Motive und … entwaffne sie.

Nicht immer sofort.

Manchen Ängsten stelle ich mich monatelang, Tag für Tag, auf dem Papier – doch gerade weil ich das tue, drängen sie mich nicht mehr in die Ecke, bis ich glaube, weder vor noch zurückzukommen.

Ich nehme sie wahr und finde letztendlich durch das Schreiben den Mut, stärker zu sein als sie.

 

Lektion 7: Ich habe gelernt, meine Vergangenheit als Teil von mir anzuerkennen

Meine Vergangenheit hat mich geprägt.

Und obwohl ich vieles von dem, was passiert ist, hinter mir lassen konnte, ist nichts davon wirklich vergessen.

In Wahrheit verarbeite ich noch immer.

Es ist nur bedeutend leichter geworden, auszublenden, dass da Unaufgearbeitetes in mir lauert, seit ich nicht mehr Tag für Tag mit Flashbacks und Intrusionen zu kämpfen habe.

Das, was mir angetan wurde, prägt die Beziehung zu meinem Mann und die zu meinen Kindern.

Und die Frau, die mich geboren hat, höre ich noch immer beinah täglich in meinen Gedanken.

Manche Dinge liegen wie Schatten auf unserem Erleben.

Sie prägen uns, so wie wir geprägt wurden.

Das Beste, was wir also tun können, ist, ihnen Gehör zu verschaffen.

Genau das tu ich beim Journaling.

Ich schreibe.

Setze mich damit auseinander.

Wieder und wieder widme ich mich mit den verletzten Teilen meines Inneren, gebe ihnen eine Stimme und lerne so, sie Stück für Stück zu integrieren, weil das die einzige Möglichkeit ist, um einen Abschluss finden zu können.

Der einzige Weg, das Opfer, zu dem ich wurde, für sein Überleben zu ehren und trotzdem nach Vorne zu sehen.

 

Lektion 8: Ich habe gelernt, um das kleine Mädchen zu trauern, das ich einmal gewesen bin

Lange Zeit fiel es mir schwer, anzuerkennen, dass all der angestaute Schmerz, die Einsamkeit und Ohnmacht, die ich als Kind gespürt habe, nicht automatisch verschwunden sind, nur weil mein Körper erwachsen geworden ist.

Das konnte ich erst durch das Schreiben.

Denn dort, zwischen den Seiten meinem Journal, habe ich gelernt, Kontakt mit dieser verletzlichen, kindlichen Seite in mir aufzunehmen.

Ich habe gelernt, hinzusehen und mich dem dort lauernden Schmerz anzunähern, statt ihn weiterhin zu ignorieren und zu verleugnen.

Ihm entgegenzublicken ist nicht leicht.

Es tut weh.

Und doch ist es eines der Dinge, mit denen ich nicht aufhören kann.

Weil es mir dabei hilft, um das kleine Mädchen trauern zu können, dass ich einmal gewesen bin. Und damit auch um all die Liebe und Zuneigung, die ich nicht bekommen habe, obwohl ich sie verdient hätte.

Schreibend in Verbindung zu treten hilft, zu heilen.

Nämlich den Menschen von damals – und die Beziehung zu uns selbst.

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