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Mädchen in weißem Kleid auf Wiese mit gelbem Luftballon in der Hand. Titelbild für Artikel über Inner-Child-Writing.

Inner-Child-Writing: Wie du dem Kind in dir eine Stimme gibst

Es gibt da diesen Teil in uns, der nie ganz erwachsen geworden ist.

Es ist jener, der noch weiß, wie es sich anfühlt, unbeschwert zu lachen und die Welt einmal mit großen, neugierigen Augen betrachtet hat. 

Dieser Teil ist unser inneres Kind.

Es trägt all unsere Freuden und all unsere Wunden in sich.

Und Inner-Child-Writing ist ein Weg, um diesem Kind zu begegnen und zu lernen, ihm zuzuhören.

Wenn du also nach einem Weg suchst, in Kontakt mit deinem inneren Kind zu kommen, dann bist du hier genau richtig. Denn in diesem Artikel erfährst du, was das innere Kind eigentlich ist, wieso Schreiben ein so kraftvoller Weg ist, um ihm zu begegnen – und wie du konkret damit anfangen kannst.

Inneres Kind: Was ist das überhaupt?

Der Begriff »inneres Kind« wurde unter anderem durch den us-amerikanischen Therapeuten John Bradshaw bekannt gemacht. Und er beschreibt jenen Teil unserer Persönlichkeit, der durch unsere früheste Kindheit geprägt wurde.

Im Grunde ist das innere Kind ein psychologisches Konzept, das erklärt, warum wir als Erwachsene reagieren, wie wir reagieren.

Wieso wir beispielsweise in bestimmten Momenten plötzlich wütend werden oder uns klein und hilflos fühlen, obwohl wir längst erwachsen sind.

Laut Bradshaw und anderen Therapeuten haben viele unserer alltäglichen Reaktionen ihren Ursprung in jenen Erfahrungen, die wir im Laufe unserer Kindheit gemacht, aber nie wirklich verarbeitet haben.

Und unser inneres Kind trägt diese unverarbeiteten Erlebnisse in sich. Es trägt unsere Trauer, unsere Freude und unser Leid.

Eben all das, was noch immer in uns lebt, weil es nie geheilt wurde.

Inner-Child-Writing: Warum überhaupt?

Wir Menschen neigen dazu, unsere innere Welt vor allem im Kopf zu verarbeiten. Wir grübeln, analysieren und versuchen, das, was wir fühlen, gedanklich zu verstehen.

Doch wenn wir Dinge gedanklich durchleuchten geraten wir dabei nicht selten in einen Strudel, den wir alle nur allzugut kennen: Wir denken über etwas nach, kommen zu einem Schluss, nur, um im Anschluss noch einmal darüber nachzudenken und plötzlich sind zwei Stunden vergangen, ohne das sich etwas verändert hat.

Das bewusste Schreiben über emotionale Erlebnisse hilft dagegen dabei, innere Prozesse tatsächlich zu verarbeiten.

Wenn wir schreiben, bekommt das, was zuvor noch diffus war, plötzlich eine Form. So werden Gefühle, die wir kaum fassen konnten, mit einem Mal greifbar und Zusammenhänge, die wir nicht gesehen haben, tauchen auf.

Wir schaffen uns selbst einen Raum auf dem Papier.

Einen Raum, in dem beim Inner-Child-Writing das Kind in uns sprechen darf.

Und zwar ohne unterbrochen zu werden oder gar bewertet zu werden.

Wie Inner-Child-Writing funktioniert

Vorweg: Es gibt nicht die eine Methode, schreibend in Kontakt mit unserem inneren Kind zu kommen.

Aber was es gibt sind Wege, die sich als besonders wirkungsvoll erwiesen haben und die ich selbst regelmäßig dafür für nutze. Und die möchte ich dir an dieser Stelle vorstellen:

Der Dialog auf dem Papier

Eine der kraftvollsten Möglichkeiten ist der schriftliche Dialog zwischen deinem heutigen Ich und deinem inneren Kind.

Beginne dafür ein Gespräch auf dem Papier, indem sich dein Erwachsenen-Ich mit deinem kindlichen Ich unterhält.

Beginne z.b. mit: »Liebe/r ..., wie geht es dir gerade?«. Und antworte darauf, was auch immer kommen mag. Ohne dich zu zensieren, ohne etwas zu korrigieren.


Tipp: Benutze zum Schreiben deines kindlichen Ichs deine nicht-dominante Hand. Es bringt häufig ungefilterte und emotionalere Antworten hervor.

Das Schreiben aus der Perspektive des Kindes

Eine andere Möglichkeit, schreibend in Kontakt mit deinem inneren Kind zu kommen, ist es, dich in eine konkrete Szene deiner Kindheit zurückzuversetzen und diese aus der (Ich-)Perspektive des Kindes heraus zu (be-)schreiben.

Dabei geht es nicht darum, dich in dem alten Schmerzen zu verlieren, sondern darum, (besser) zu verstehen.

Frag dich während des Schreibens: Was hat das Kind damals gefühlt? Was hat es gebraucht? Was hätte es am liebsten gesagt, konnte es aber nicht?


Wichtig: Diese Form des Schreibens kann unglaublich tief gehen und deshalb stark aufwühlen. Achte darauf, dir nach einer Schreibsession ausreichend Zeit zu lassen, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen und betreibe aktive Selbstfürsorge.

Der Brief an dein inneres Kind

Neben dem Dialog und dem Schreiben aus der Perspektive des Kindes heraus, gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Das Schreiben in Form von Briefen.

Dabei schreibst du einen Brief an dein jüngeres Ich.  Z.b. an die Fünfjährige, die sich oft alleine gefühlt hat oder den Dreizehnjährigen, der nicht wusste, ob es okay ist so zu sein, wie er ist.

In diesen Briefen kannst du deinem inneren Kind all das sagen, was du damals gebraucht hättest. Du kannst es trösten, dich entschuldigen oder auch einfach nur zeigen, dass du da bist, es ernstnimmst und ihm zuhörst.


Tipp: Wenn du Angst hast, jemand könnte deine Briefe lesen, nutze gerne ein Schreibritual, dass auch beim Umgang mit negativen Gedanken hilfreich ist: Verbrenne oder Vernichte deinen Brief nach dem Schreiben.

Was dich beim Inner-Child-Writing erwartet

Inner-Child-Writing kann unglaublicher Weg sein, um in Kontakt mit uns selbst und dem Kind zu kommen, das wir einmal gewesen sind.

Wir bekommen dabei die Chance, alte Erfahrungen zu verarbeiten, Gefühle auszudrücken und so Stück für Stück Heilung zu erfahren.

Manchmal öffnet sich beim Schreiben eine Art Tür in uns selbst und wir blicken staunend auf das, was dahinter liegt.

Manchmal fühlen wir dabei jedoch auch einen tiefen Schmerz und werden von unseren Gefühlen nahezu überwältigt.

Und manchmal begegnen wir auch jede Menge Widerstand auf dem Papier.

Wie auch immer du beim Schreiben reagierst: Jede einzelne dieser Reaktionen ist in Ordnung.

Wenn ich selbst das Inner-Child-Writing nutze, fühlt es sich währenddessen oft so an, als würde der Schmerz mich innerlich vernichten. Doch im Anschluss fühle ich mich fast immer, als könnte ich besser atmen. Manchmal bin ich dann aber auch besonders verletzlich.

Andere berichten davon, dass sie nach einer Schreibsession vor allem eine tiefe Erleichterung verspüren. Ein bisschen so, als hätte sich etwas in ihnen gelöst, das viel zu lange festgesessen hat.

Die Wahrheit ist: Beim Schreiben gibt es weder ein Richtig noch ein Falsch. Das heißt: Jede Reaktion darf sein. Und diese Reaktion kann auch in jeder Schreibsession anders aussehen.


Ein Hinweis: Wenn beim Schreiben etwas sehr Schweres auftaucht, dass sich überwältigend anfühlt, dann trag das nicht alleine. Schreiben kann heilen, aber manchmal braucht es auch professionelle Begleitung von außen. Und beides kann (und darf) nebeneinander existieren.

Gib dem Kind in dir eine Stimme

Die Wahrheit ist: Das Kind in uns schweigt niemals freiwillig.

Vielmehr hat es gelernt, leise zu sein.

Es hat gelernt, Platz zu machen und sich zurückzunehmen.

Gelernt, dass seine Gefühle manchmal störend sind, zu laut oder auch zu viel.

Aber Inner-Child-Writing ist ein Weg, dieses Schweigen zu brechen. In deinem Tempo, direkt auf dem Papier.

Es ist ein Weg, dir selbst zu begegnen und zu realisieren, was du tragen musstest oder noch immer trägst.

Und alles, was du dafür brauchst in ein Stück Papier, einen Stift und die Bereitschaft, dem Kind in dir tatsächlich zuzuhören.

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