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Heilsames Schreiben Methoden um Trauer zu bewältigen, Schreiben über Trauer.

Heilsames Schreiben: 6 Methoden, um Trauer zu bewältigen

Wenn wir einen geliebten Mensch verlieren, ist nichts mehr wie es war.

Die Welt um uns herum erscheint plötzlich in einem anderen Licht.

Manchmal sind wir wie betäubt, dann wieder droht der Schmerz, uns die Luft abzuschnüren.

Es ist, als wäre ein Teil von uns gemeinsam mit dem anderen verschwunden, während der Rest von uns in einem Meer aus Scherben steht und versucht, trotz allem weiterzumachen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, einen Verlust zu verarbeiten – aber auch, wie unglaublich heilsam es ist, in Momenten der Trauer zu Stift und Papier zu greifen.

Denn wenn es darum geht, unseren Schmerz zu lindern, ist das Schreiben ist ein mächtiges Werkzeug.

Aus diesem Grund stelle ich dir in diesem Blogartikel 6 Methoden vor, wie du das Schreiben dafür nutzen kannst, deine Trauer zu bewältigen.

Finde heraus, wie heilsames Schreiben dich dabei unterstützen kann, deinen ganz eigenen Weg durch die Trauer zu finden.

Heilsames Schreiben: 6 Methoden, um Trauer zu bewältigen:

1. Schreibe einen Abschiedsbrief

Ein Brief ist ein Weg, ganz bewusst Abschied zu nehmen.

Ihn zu schreiben gibt dir die Möglichkeit, deine Gefühle zu offenbaren und anzusprechen, was dich nicht loslässt.

Er bietet Raum für Gedanken, ungeklärte Konflikte und gibt dir dir Chance, mit dem Verstorbenen in Kontakt zu treten, wann immer du es brauchst.

Denn einen Abschiedsbrief darfst du nicht nur ein einziges Mal schreiben, sondern immer dann, wenn dir danach ist.

Mithilfe eines bewusst gewählten Schreibrituals kannst du die Wirkung deines Abschiedsbriefes übrigens noch zusätzlich verstärken. 

2. Verwandle deine Trauer in eine Geschichte

Das Schreiben von Geschichten kann unglaublich heilsam sein.

Das kreative Schreiben schenkt nämlich nicht nur ein Ventil, es kann auch ein Zufluchtsort sein, der dabei hilft, Trauer zu verwandeln.

Denn dort auf dem Papier kannst du deinen Schmerz und deine Ohnmacht nehmen und sie zu etwas anderem machen.

Das Schreiben einer Geschichte bietet dir die Möglichkeit, den Verstorbenen auf dem Papier zum Leben zu erwecken. Du kannst ihn in einer magischen Welt weiterleben lassen oder auch gemeinsam mit ihm in einer Parallelwelt verweilen, in dem du ihn nie verloren hast.

Oder aber du schlüpfst in den Kopf einer fiktiven Figur. Lässt sie anstelle von dir selbst diesen Verlust erleben und begleitest sie schreibend auf diesem Weg durch die Trauer. Du kannst ihr unterstützende Menschen zur Seite stellen, sie tun und sagen lassen, was immer du willst.

In einer Geschichte gibt es keine Grenzen, kein Richtig und kein Falsch – sie funktioniert nach deinen eigenen Spielregeln.

Und genau das ist, was dir helfen kann, deine Trauer zu bewältigen.

Probier es aus.

3. Halte deine Erinnerungen in einer Liste fest

Erinnerungen sind oft alles, was uns von dem geliebten Menschen zurückbleibt.

Sie sind die Spuren, die er in unserem Herzen und unserem Leben zurücklässt, manche von ihnen schmerzhaft, andere wunderschön.

Manchmal genießen wir, in diesen Erinnerungen zu schwelgen und uns von ihnen wärmen zu lassen – manchmal tun sie auch einfach so weh, dass wir alles tun würden, um sie schnell wieder wegzuschieben.

Das Schreiben einer Liste ist ein effektiver Weg, Erinnerungsfragmente einzufangen.

Es gibt dir nicht nur ein Ventil für deine Trauer, sondern auch die Möglichkeit, dich bewusst zu erinnern und festzuhalten, was du nicht vergessen willst.

In einer Liste kannst du alles einfangen, was immer du möchtest.

Lieblingsmomente, gemeinsame Erlebnisse, winzige Angewohnheiten, Songs, Filme oder bestimmte Düfte  – nahezu alles eignet sich, um Teil deiner Liste zu werden.

Du kannst eine Liste für alles anlegen oder auch viele kleine, mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Du kannst Listen schreiben, die du stetig weiterführst; und auch jedes Mal aufs Neue eine starten, um genau in diesem Augenblick die Erinnerungen aus deinem Kopf zu bekommen.

Ein paar Ideen für Listen, die du starten kannst:

  • Songs, die mich an dich erinnern:
  • Orte, an denen wir waren:
  • Dinge, die ich gehasst habe, wenn du sie tust:
  • Dinge, die ich geliebt habe, wenn du sie tust:
  • Alles, woran ich mich erinnere:
  • All die Worte, die ich mit dir verbinde:
  • All die Sachen, die ich noch mit dir tun wollte:
  • All die Erinnerungen, die mich gerade überfluten:
  • Diese Sachen geben mir das Gefühl, dass du noch bei mir bist:

4. Schreibe ein Gedicht

Trauer ist ein Gefühl, das wir oft nur schwer in Worte fassen können. Der intensive Mix aus Emotionen, Erinnerungen und Gedanken kann verwirrend und schwer auszuhalten sein.

Doch das Schreiben von Gedichten ist ein wundervoller Weg, all das in eine künstlerische Form zu bringen.

Es gibt dir die Chance, deiner Trauer Ausdruck zu verschaffen und sie in kreative Energie zu verwandeln.

Es ermöglicht dir, nicht nur die Tiefe deiner Emotionen zu erfassen, sondern etwas Positives aus deinem Schmerz zu erschaffen.

Ein geeigneter Weg, um mit dem Gedichte schreiben zu starten sind sogenannte Alpha-Poems. Sie bieten dir einen Rahmen und lassen dennoch ausreichend Raum, um deine Kreativität zu erkunden.

Und zudem funktionieren sie auch noch ganz leicht:

  • Nimm ein Wort deiner Wahl, schreibe es vertikal auf ein Blatt Papier und nutze jeden Buchstaben für eine Zeile deines Gedichtes. Das gewählte Wort kann der Namen des Menschen sein, den du verloren hast; etwas, was du mit ihm verbindest oder auch ein allgemeines Wort, ein Gefühl oder irgendetwas anderes, was dir gerade in den Sinn kommt. Jeder Buchstabe kann zu einem zusammenhängenden Satz, einem Satzfragment oder auch nur einem einzelnen Wort werden.

Ein Beispiel für ein Alpha-Poem Mit dem Wort »Verlust«:

V ielleicht
E inestages, irgendwann werde ich tatsächlich
R ealisieren, dass dein
L achen für immer verschwunden ist, zusammen mit dir.
U nd solange
S itze ich eben weiter hier, inmitten all der
T ränen und wünsche mir, dich nur noch ein einziges Mal zu spürn.


(c) Seelenschreiberei


5. Führe ein Gespräch mit dem Menschen, den du verloren hast

Die Idee, ein Gespräch mit dem Verstorbenen zu führen, mag auf den ersten Blick verrückt erscheinen, doch das ist es keineswegs. 

Ja, natürlich ist es nicht möglich, tatsächlich mit ihm von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. Doch auf dem Papier kannst du es tun: mithilfe eines schriftlichen Dialogs.

Ich gebe zu, dass ich der Dialog-Methode zu Beginn selbst skeptisch gegenüberstand. Doch ich kann dir sagen, dass sie dich – wenn du es schaffst, dich auf sie einzulassen – dabei unterstützen kann, deine Trauer zu bewältigen.

Schreibend in Kontakt mit dem Verstorbenen zu treten, hilft dir, deine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Und es erlaubt dir, dich auf eine persönliche und intime Weise mit ihm zu verbinden.

Und so funktioniert es:

  • Beginne damit, dich an einem ruhigen Ort an den Verstorbenen zu erinnern. Schließe die Augen und stelle dir vor, er würde vor dir stehen. Erinner dich daran, wie er aussieht, wie er sich bewegt, wie er spricht. Versuche mithilfe deiner Vorstellungskraft, seine Präsenz zu spüren.
  • Dann greif den Stift und richte deine Worte direkt an ihn. Das, was du schreibst, kann eine Begrüßung sein, eine Erinnerung, die du teilen willst und auch alles sonst, was du ihm sagen willst.
  • Im Anschluss antworte dir selbst – und zwar aus seiner Sicht.
  • Schreibe ca. 20 Minuten lang abwechselnd aus deiner und seiner Sicht. Versuche, nicht zu viel zu denken, lass die Worte einfach fließen, ohne den Stift abzusetzen.


6. Beginne ein Trauer-Tagebuch

In deinem Trauerprozess kann ein Trauer-Tagebuch ein wertvoller Begleiter sein, denn es ist da, wann immer du es brauchst: morgens um 6 Uhr genauso wie nachts um halb 4.

Ein Trauer-Tagebuch ist ein geschützter Ort.

Ein Ort, an dem du deine inneren Gedanken und Sorgen ungefiltert und ungeschönt teilen kannst – insbesondere jene, die du sonst niemanden anvertrauen kannst oder willst.

Es ist etwas, dass du täglich nutzen kannst oder auch nur dann, wenn deine Erinnerungen dich überfluten und du nicht weißt, wohin mit deinem Schmerz.

Jede Phase der Trauer und jedes Gefühl hat dort ihren Platz – ganz gleich, ob es tiefe Traurigkeit, rasende Wut oder rohe Verzweiflung ist, die dich gerade quält.

Anders als Briefe, Listen oder das kreative Schreiben kommt ein Trauer-Tagebuch ganz ohne Struktur und Vorgaben aus.

Das heißt, du kannst es füllen, womit auch immer du es füllen willst.

Es gehört nur dir.

Heilsames Schreiben kann dein Begleiter durch die Trauer sein

Wie du siehst, bietet das Schreiben ganz unterschiedliche Formen und Wege, um deine Trauer zu bewältigen.

Jede der hier vorgestellten Methoden schenkt dir die Möglichkeit, das Schreiben zu einem kraftvollen Werkzeug deiner Trauerreise zu machen – entscheide selbst, welche für dich geeignet ist.

Doch ganz gleich welche du auch wählst, bitte mache dir bewusst, dass keine dieser Techniken ein Wundermittel ist.

Trauer braucht Zeit.

Sie geschieht in ihrem ganz eigenen Tempo und je nachdem, an welchem Punk deiner Reise du dich gerade befindest, kann der Weg beschwerlicher oder etwas leichter sein.

Deshalb habe Geduld mit dir selbst, sei behutsam und erlaube dir, ganz ohne Druck und Urteil zu nutzen, was auch immer sich richtig anfühlt.

Du wirst spüren, was es ist.

Du hast einen geliebten Menschen verloren?

Das Leben Ohne Dich – das Trauer-Workbook, mit dem du dich schreibend mit Deinem Verlust auseinandersetzen und Stück für Stück zurück ins Leben finden kannst.

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