Skip to content
Frau sitzt mit Tagebuch da. Text: Die 5 größten Don’ts Journaling

Don’ts Journaling: Was ich niemals in einem Journal tun würde

Es gibt unzählige Gründe, warum Menschen schreiben – doch für mich persönlich ist es weit mehr als ein Hobby.

Schreiben ist mein Werkzeug und manchmal sogar mein Rettungsanker.

Denn ich tue es nicht nur, weil ich es liebe, sondern weil es mich wachsen lässt.

Ich schreibe, weil es noch immer Tage gibt, an denen mein Journal der einzige Ort ist, an dem ich atmen kann.

Denn dieser Raum aus Papier, der ist einfach immer da.

Er hält mich, wenn ich das Gefühl habe, alles würde aus dem Takt geraten.

Er ist da, wenn ich reden will, Entscheidungen treffen muss oder Zeit für mich selbst brauche.

Er hilft mir, mich auf den Seiten wiederzufinden, wenn ich mich selbst verloren habe.

Und das nicht bloß einmal, sondern immer und immer wieder.

Mein Journal ist mein stummer Zuhörer, mein Freund, ein Zeitzeuge meiner inneren Welt.

Doch es gibt etwas, dass ich über die Jahre auf die harte Tour lernen musste, nämlich: Dass manche Dinge, die wir uns im Eifer oder aus Unwissenheit rund um Journaling aneignen, den heilsamen Prozess des Schreibens zunichtemachen.

Sie blockieren ihn, blockieren uns.

Und statt uns selbst näherzukommen; Entlastung zu finden oder Klarheit zu gewinnen, landen wir in einem Kreislauf aus Druck, Schuld- und Schamgefühlen.

Damit dir selbst das nicht passiert, teile ich in diesem Artikel meine 5 größten Don'ts beim Journaling.

Dinge, die ich nicht (mehr) tue und die du dir ebenfalls sparen kannst.

1. Versuchen alles »positiv« zu machen

Zu versuchen, positive Dinge in unserem Leben einzufangen, ist wundervoll.

Denn Dankbarkeit ist wichtig. Und ja, positive Dinge und Gedanken stärken uns. 

Aber: Ein Journal ist kein Instagram-Feed, in dem wir nur die beste Seite unseres Lebens präsentieren.

Und wenn wir versuchen, es dazu zu machen, verliert es seine eigentliche Kraft.

Denn dein Journal ist der Ort, an dem alles seinen Platz haben sollte: Das Schöne, genauso wie das Hässliche.

Und dich zu zwingen, nur das Helle zuzulassen, bedeutet, einen Teil deiner selbst abzutrennen und zu verleugnen.

Und Heilung entsteht niemals dadurch, dass wir das Negative ausradieren wollen.

Sie entsteht, wenn wir Licht in unsere eigene Dunkelheit bringen.

Wenn wir sie wirklich anschauen und benennen.

Wenn wir aufschreiben, was ist, egal wie hässlich es auch ist.

Journal-Fragen für dich:

  • Welche Gedanken halte ich zurück, weil ich Angst habe, dass sie »zu negativ« sind?
  • Was würde passieren, wenn ich diese Gedanken doch aufschreibe?

2. Ästhetische Perfektion erwarten

Die Seiten meines Journals sind nicht schön.

Sie sind voller Flecken, durchgestrichener Worten und abgehackter Sätze.

Ich schreibe nicht ordentlich, manchmal nicht mal leserlich und Farben, die benutze ich auch nicht.

Und lange Zeit schämte ich mich dafür.

Warum?

Weil die Seiten meines Journals eben nicht so schön und ästhetisch aussahen, wie die all der Bullet-Journal-Accounts, die ich im Internet entdeckt habe.

Aber weißt du was? Es spielt keine Rolle.

Denn ein Journal ist kein Kunstwerk.

Im Gegenteil.

Worum es beim Journaling geht, sind weder Schönschrift noch Rechtschreibung oder Grammatik.

Es geht um ums Schreiben selbst.

Darum, einen Ort für deine innersten Gedanken und Gefühle zu schaffen.

Einen Ort, an dem du sein kannst, wie du bist.

Manchmal, da schreiben wir abgehackt und unverständlich; manchmal in nichts mehr als Fragmenten oder wiederholen uns tausendmal.

Manchmal rasen unsere Gedanken so schnell, dass wir sie nur bruchstückhaft aufschreiben können.

Manchmal starren wir minutenlang auf eine leere Seite, weil uns die Worte fehlen oder wir uns vor dem fürchten, was wir eigentlich hinschreiben müssten.

Und manchmal, da mischt sich die Tinte mit unseren Tränen direkt auf dem Papier.

Und all das ist okay.

Journal-Frage für dich:

  • Welche Freiheit würde entstehen, wenn ich mir in meinem Journal erlaube, so chaotisch und unordentlich zu sein, wie ich das will?

3. Nichts als Braindumping betreiben

Den Kopf leerzumachen und alles ungefiltert aufs Papier zu bahnen ist verdammt wertvoll.

Es entlastet.

Es tut gut.

Das Problem ist nur:  Immer bloß abzuladen ohne jemals hinzusehen macht unser Journal zu einem Mülleimer.

Und Journaling kann so viel mehr sein als das.

Schreiben kann uns verwandeln.

Es hat die Kraft, uns Einsicht, Heilung und neue Perspektiven zu schenken – doch dafür müssen wir auch hinsehen.

Auf das, was wir geschrieben haben und das, was es uns sagen kann.

Fragen wie:

  • Was habe ich da gerade geschrieben?
  • Was könnte mir das sagen?
  • Was für Muster erkenne ich darin?

können dabei helfen, Geschriebenes in einen Kontext zu bringen.

Es kann helfen, unsere Worte ernstzunehmen und ihnen Bedeutung beizumessen.

Tun wir das nicht, bleibt unser Journal im Schlimmstenfall nichts als eine Ablage ohne Tiefgang.

Journal-Fragen für dich:

  • Was fällt mir auf, wenn ich meinen letzten Eintrag noch einmal lese?
  • Was könnte ich daraus lernen / erkennen / für mich mitnehmen?

4. Um den heißen Brei herumreden

Die Wahrheit ist: Unser Journal ist so ziemlich der einzige Ort, an dem wir brutal ehrlich sein dürfen.

Denn beim journaln müssen wir niemanden gefallen und auch nicht versuchen, besser zu sein, als wir es gerade sind.

Wir müssen uns nicht zurückhalten, um andere nicht zu verletzen oder so tun, als wäre alles gut, wenn es das nicht ist.

Im Gegenteil:  Dort, zwischen den Seiten deines Journals darfst du einfach alles schreiben.

All die Worte, die du nie laut aussprechen oder jemanden direkt ins Gesicht sagen würdest.

All die hässlichen Dinge, für die du dich schämst.

Und genau das solltest du auch.

Warum?

Weil an der Oberfläche zu kratzen uns nicht weiterbringt.

Weil Schönreden und Drumherumreden noch nie dazu geführt haben, dass etwas besser wird.

Das gilt nicht nur im Leben, sondern auch auf dem Papier.

Deshalb trau dich.

Trau dich, ehrlich zu sein.

Trau dich, genau die Dinge zu schreiben, die du dir am liebsten nicht einmal vor dir selbst eingestehen würdest.

Denn nur, wenn wir uns unserer eigenen Wahrheit stellen, können wir auch wachsen.

Journal-Fragen für dich:

  • An welchen Stellen oder bei welchen Themen weiche ich in meinem Journal immer wieder aus?
  • Was traue ich mich nicht zu schreiben und warum?

5. Sich starren Regeln unterwerfen

Manchmal schreibe ich viel, manchmal nur ein paar Worte.

Manchmal greife ich mehrmals täglich zu meinem Journal; manchmal liegt es eine Woche in der Ecke, ohne dass ich es auch nur beachte.

Und all das darf sein.

Willst du wissen, warum?

Weil es beim Journaling kein richtig oder falsch gibt.

Es existieren keine starren Regeln; nichts, was uns vorschreibt, wie oder auf welche Weise wir schreiben müssen – auch die vorangegangenen Punkte bilden da keine Ausnahme.

Journaling ist keine Pflichtveranstaltung, sondern ein Raum, der nur dir gehört.

Ein Raum, den du nutzen kannst:

  • wann du willst,
  • sooft du willst,
  • so wie du es willst.

Und wenn wir uns an zu starre Regeln klammern oder versuchen es auf Teufel komm raus »richtigzumachen«, nehmen wir uns genau das, was Journaling uns eigentlich schenken will.

Journal-Fragen für dich:

  • An welche Regeln versuche ich mich (bewusst oder unbewusst) zu halten, wenn ich schreibe?
  • Tun mir diese Regeln gut oder engen sie mich ein?

Do oder Don'ts Journaling: Am Ende zählt nur eins

Dein Journal ist ein heiliger Raum.

Es ist ein Spiegel.

Ein Begleiter.

Ein Ort, an dem du dir selbst begegnen kannst – ehrlich und offen; ganz ohne Maske.

Und genau darin liegt auch seine einzigartige Superkraft.

Jedes Wort, dass wir schreiben, macht uns freier.

Jede Seite, die wir füllen, bringt uns näher zu uns selbst.

Deshalb sind es am Ende auch nicht das perfekte Journal oder die akkurat umgesetzte Journaling-Methode, die wirklich zählen.

Was zählt, ist, dass du schreibst.

So echt, so unvollkommen und so ehrlich, wie es nur geht.

Dir gefällt dieser Artikel? Teil ihn gern, so können auch andere ihn lesen.

Comments (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

An den Anfang scrollen
Send this to a friend