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Angst und Mut Autorenleben

Autorenleben: Von Ängsten und Mut

70-80 % von meinem aktuellen Projekt sind fertig. Ich war voller Elan deshalb. Dachte, ab jetzt würden sich die fehlenden Kapitel wie von selbst tippen. Wie bei einem Berggipfel, den ich bestiegen habe. Gipfel erreicht, jetzt einmal Schwung holen und der Rest des Weges wird leichter.

Doch … Pustekuchen.

Gestern Abend saß ich vor dem blinkenden Cursor, habe auf das geöffnete Dokument gestarrt und konnte mich nicht dazu überwinden, auch nur ein einziges Wort zu tippen.

Ich saß da, während Song um Song der Playlist begonn und wieder verklang und habe mir schließlich eingeredet, dass ich viel lieber an einem anderen Projekt schreiben will, die schon ewig durch meinen Kopf geistert, als an der Geschichte, an der ich gerade schreibe.

Dass ich einfach nur eine kleine Auszeit brauche, etwas anderes als diese Fihuren, die mich schon seit einer Ewigkeit begleitet.

Also habe ich das Manuskript geöffnet, bin die Ideen und ersten Kapitel durchgegangen – und habe im selben Augenblick realisiert, dass der Wunsch an etwas anderem zu arbeiten nicht davon kommt, dass ich das gerade wirklich will.

Nein.

Mein Kopf hat einfach mal wieder nach einem Ausweg gesucht. Nach einer Abbiegung, damit ich mich meiner Angst nicht stellen muss.

Denn da ist Angst. Verflucht viel Angst, wisst ihr.

Die Angst, dass das, was ich da gerade schreibe niemand mögen wird.

Die Sorge, dass es nicht an das heranreichen wird, was ihr erwartet.

Die Furcht, dass die Profitestleserin, die ab sofort jedes meiner Manuskripte prüfen muss, nichts damit anfangen kann und der Verlag das Buch nicht rausbringen wird.

Ich weiß, dass das Schwachsinn ist. Doch manchmal, da sind wir eben wirklich gut darin uns selbst zu belügen. Uns Dinge einzureden, nur, um etwas nicht ansehen müssen. Nur, um den Weg nicht weitergehen zu müssen, auf dem man scheitern könnte.

Also habe ich doch noch geschrieben.

Nicht am Laptop, sondern in meinem Notizbuch. Statt zu schlafen habe ich Seite um Seite gefüllt, weil es mir immer leichter fällt dort die richtigen Worte zu finden.

Denn: Autorin zu sein bedeutet für mich, mutiger zu sein als meine Angst. Mich mir selbst wieder und wieder entgegenzustellen. Den Glaubenssätzen meiner Kindheit genauso, wie der Unperfektheit des Lebens.

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