70-80 % von meinem aktuellen Projekt sind fertig. Ich war…
Authentizität – Über die Erlaubnis Ich selbst sein zu dürfen
Die Buchwelt ist voll von unglaublichen Menschen. Menschen, die ihre Meinung vertreten, sich zeigen und ihre Gedanken mit der Welt teilen. Als letztes waren da Ava Reed, mit ihrem Text über das Vergleichen und dem neidischen Blick auf andere; – Christelle Zaurrini, die darüber gesprochen hat, dass sie sich viele Jahre nicht selbst lieben konnte und Sophia Cromo, mit ihrem Plädoyer, der Autor zu sein, der man nunmal ist.
Und jedes Mal, wenn ich jemanden lese. der seine wahren Gedanken teilt, sind da die unterschiedlichsten Gefühle, die in mir kämpfen.
Da ist Erleichterung – weil es Menschen gibt, die nicht nur unterhalten wollen.
Da ist Sehnsucht – weil ich dasselbe tun will.
Da sind Traurigkeit und Wut – weil ich mich genau das nicht traue.
Die Wahrheit ist nämlich: Ich traue mich nicht, auch als Autorin meine Stimme zu erheben. Zu sagen, was ich zu sagen habe. Auszusprechen, was ich empfinde.
Der Grund dafür ist, dass ich schon als Kind gelernt habe, dass nichts, was ich tue, jemals gut genug sein kann. Dass meine Stimme nicht zählt und dass das, was ich liebe sowieso keine Bedeutung hat.
Und auch, wenn ich gerne behaupten würde, dass diese Erfahrung mein Autoren-Dasein nicht beeinflusst, kann ich es nicht.
Denn diese Sätze von damals hallen in mir nach und beeinflussen alles. So sehr, dass ich mir manchmal wünsche, mein Pseudonym wäre bloß eine Rolle , in die ich nach Belieben schlüpfen könnte.
Weil es mir dann vielleicht leichter fallen würde, jemand zu sein, der Menschen einfach nur unterhält und damit zufrieden ist.
Jemand, der Buchschnipsel posten und mit den Lesern auf die nächste Veröffentlichung hinfiebern kann, statt bei jedem Posting zu fürchten, dass etwas Entscheidendes fehlt.
Weil es dann weder die tausend Zweifel in mir geben würde noch die Flut aus Ängsten, denen ich mich tagtäglich entgegenstellen muss.
Und gleichzeitig spüre ich in letzter Zeit so deutlich, dass dieses Pseudonym niemals nur eine Rolle sein wird. Und das jeder Versuch, es zu einer zu machen, genau deshalb schiefgeht.
Weil ich nicht bloß unterhalten, oberflächliche Texte veröffentlichen und Werbung für Bücher machen will.
Weil ich kein Mensch für Small-Talk bin und es mich nicht glücklich macht mich in eine Schublade zu pressen oder pressen zu lassen.
Ich spüre, dass ich es satt habe, Angst zu haben.
Davor, mit meinen Worten anzuecken oder mich lächerlich zu machen.
Davor, jemanden zu verschrecken, nur weil ich ich selbst bin.
Ich möchte dieser fiesen, kleinen Stimme in meinem Kopf endlich ihre Macht nehmen.
Und das nicht nur, weil sie unrecht hat.
Sondern, weil jeder Mensch etwas zu sagen hat.
Auch ich.
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